Schreiben und Lesen...

        

... das gehört zusammen wie gutes Training und ein schneller Wettkampf. Es muss aber nicht immer mit Laufen zu tun haben. Hier bekommt ihr jeweils eine Story angeboten, die sich ums Laufen dreht, oder auch nicht.


 


Das unbeschwerte Leben.


Jeder Tag ähnelt dem nächsten und fühlt sich an, wie der zuvor gelebte. Es ist ein fester Rhythmus, der die 24 Stunden wieder und wieder in eine ähnliche Form gießt. Das Aufstehen zur Arbeit, den Blick auf Sie, die neben mir schläft, das Streicheln des Hundes, der kurze Spaziergang entlang der Felder. Die Fahrt mit dem Rad, die Arbeit, der Weg nach Hause, das Kaffee trinken, das Laufen durch die Wälder der Umgebung, das Sitzen auf dem Sofa, das Anschauen von Serien, das Hören von Musik, das Reden, das Küssen, das Lieben. Alles Wiederholungen, keine Premieren.


Will man da nicht schreien? Den Ausbruch wagen? Das ach so lebenswerte Leben, das jeden Tag ein Abenteuer sein soll, hinter dem Horizont suchen? Nein, da bin ich draußen. Ich wünsche jedem, der sich auf die Suche nach dem Glück macht, dass er findet, was er sucht. Leider ist das bei den wenigsten Glücksrittern der Fall. Ich lehne mich zurück, verschmelze mit dem Tag und meinem Tun. Genieße den Blick vom Balkon und den Geschmack des heißen Cappuccinos, der durch meinen Mund rollt. Der Hund legt seinen Kopf auf mein Knie und die Liebe meines Lebens verpasst mir im Vorbeigehen einen Kuss.


Ich mag es, im immergleichen Rhythmus meinen Gewohnheiten nachzugehen. Das Alter hat mich ein wenig einrosten lassen, aber dafür hat es in meinem Kopf Platz für Ruhe und Gelassenheit geschaffen. Probleme, die mich nachts schlaflos im Bett sehen, sind definitiv auf der Roten Liste der aussterbenden Arten eingetragen worden. Ein verdammt gutes Gefühl. Ich habe in den Jahren so viel von dem, was ich konnte, hergegeben, aber es stört mich nicht. Ich habe mich dem Leben irgendwie „ergeben.“ Ich brauchte nicht lange, um zu merken, dass das eher als Sieg und nicht als Niederlage zu werten war.


Ich habe meine Rituale, ohne abergläubisch zu sein. Meine Tage folgen einem Muster, das alles andere als abwechslungsreich ist. Doch sie tun das, weil ich es so will. Noch immer bin ich bereit, festgetretene Pfade zu verlassen und mich ins Unterholz zu schlagen. Noch immer kann ich bis zum Platzen neugierig sein und völlig unerwartete Dinge tun. Allerdings findet das nur noch selten statt. Auch das, weil es mein Wunsch ist.



Viele werden jetzt sagen: Verdammt wie langweilig! So kann man doch nicht leben! Da kannst du dich ja gleich begraben lassen!


Sollen sie. Das lässt mich kalt. Die meisten von uns kommen irgendwann an den Punkt, an dem sie feststellen, dass sie sich nicht mehr selbst „bescheißen“ können. Das es keinen Sinn macht, um die Welt zu reisen, nur um den Freunden zu imponieren, obwohl man unterwegs nur einen Gedanken hat: Ich will nach Hause! Wir müssen tief in uns hinein horchen, um festzustellen, was wir wollen. Wenn wir die Antwort gefunden haben, sollten wir in ihrem Sinne leben.


Für mich heißt das Sofa statt Surfen. Bier statt Champagner. Fahrrad statt Cabrio. Laufen statt Fallschirm springen. Mit jeder dieser Entscheidungen mache ich mein Leben ein Stück lebenswerter. Jeder kann anders entscheiden. Keine Frage. Aber gegen die eigene Wahrheit zu leben ist nicht viel besser als zu sterben.


Da ist es also, das unbeschwerte Leben. Jeder Tag ein Geschenk, jeder Atemzug verbunden mit der Freude, ihn noch atmen zu dürfen. Mit sich und der Welt im Reinen zu sein ohne Unmögliches zu erwarten. Das ist vielleicht nicht spannend, aber unglaublich beruhigend. Jedenfalls für mich…




Thomas Knackstedt



 

 

 

 

 

 

01223861