Schreiben und Lesen...

        

... das gehört zusammen wie gutes Training und ein schneller Wettkampf. Es muss aber nicht immer mit Laufen zu tun haben. Hier bekommt ihr jeweils eine Story angeboten, die sich ums Laufen dreht, oder auch nicht.



 


"Du hast es gut..."


So lautete für mich der „Spruch des Tages.“ Nicht böse gemeint, aber kurz vor Kilometer 35 von unserem Bekannten Jogi ausgesprochen, musste ich da doch schmunzeln. Doch dazu später mehr.


10 Uhr, Von Langen Platz, Grünenplan. Der Himmel grau und 9 Mitglieder des Delligser Lauftreffs vor ihrem 35 Kilometer Lauf. Hätte der Himmel die Farbe der Stimmung unter den Läufern angenommen, wäre er azurblau gewesen. Aber dazu ließ er sich erst später anstecken. Ich habe vor diesen Langen Kanten noch immer gehörigen Respekt. Wenn allerdings eine Sabine aus dem Auto steigt, übers ganze Gesicht strahlt und ich schon wieder spüre, wie viel Vorfreude und Power in dieser Frau steckt, dann wirkt so ein Langer Lauf viel weniger bedrohlich.


Natascha, Melina, Jürgen, der Doc, Karsten, Jan, Marco und ich komplettierten die Laufgruppe. Zunächst ging es zum Roten Fuchs hinauf. Natascha, Jan und der Doc liefen ein bisschen langsamer als der Rest der Gruppe, aber das war okay. Bis wir oben waren, standen teilweise Dutzende von Steinpilzen Spalier. Ein Wahnsinn.



Kurze Absprache, wo es langgeht, und ab geht die Post.


Am Fuchs angekommen sammelte sich der Haufen wieder. Kathrin hatte Wasser deponiert. Als Zugabe gab es noch ein paar Gummibären. Der Doc drehte jetzt wieder um und der Rest der Truppe lief ein Stück des Ith-Hils-Weges Richtung Holzen, um dann auf dem Sandweg eine Runde über den Vierpass einzuleiten. Auf diesen 10,4 Kilometern stellte ich wieder einmal fest, was diese Gruppe aus- und stark macht. Natascha sollte die Langen Läufe noch etwas vorsichtiger angehen. Es dauerte nicht lange und Marco und Karsten, momentan eigentlich unsere schnellsten Jungs, begleiteten sie. Wir anderen durften ein wenig Vorsprung ausarbeiten. Da ziehe ich echt den Hut vor den Beiden.



Zwei, denen Motivation im Blut steckt.


Wieder am Fuchs war nochmals Getränkepause angesagt. Jetzt durften Marco, Mario und Jan sich austoben, während wir anderen eine Gruppe bildeten. Es ging noch einmal bergauf und anschließend leicht hinunter. Nach 26,5 Kilometern waren wir wieder am Von Langen Platz. Dort warteten Getränke und Bananen. Und weil es im Wald so traumhaft schön war, legten wir die letzten 8,5 Kilometer auf den Kammweg. Hier war, mehr oder weniger, „freies Laufen“ angesagt.



Keine Waldarbeiter, sondern der Lauftreff bei Kilometer 27.


Die Schlussrunde ging erst einmal 4 Kilometer bergauf. Dann folgten ein steiler Abhang und danach knapp drei Kilometer ebene Strecke. Marco war schnell außer Sicht, Karsten folgte ihm. Melina und Jan waren hinter Karsten, Sabine und ich kamen dahinter. Jürgen bildete mit Natascha die Nachhut.


Die Beine wurden jetzt schwer, aber die steile Bergabpassage, war genau das, worauf ich gewartet hatte. Ich lief auf Melina und Jan auf und gab Gas, bis ich unten war. Melina hängte sich dran und wir düsten mit hoher Geschwindigkeit bergab. Wir nutzten das Stück gleich für ein wenig Technikarbeit, denn: Schnelles bergablaufen will gelernt sein. Kinn Richtung Brust, bloß kein Hohlkreuz, keine langen Stoppschritte, sondern „rundes“ Laufen mit hoher Schrittfrequenz. Das klappte super. Wir nahmen Jan einiges ab, doch der holte uns auf dem Von Langen Weg wieder ein.



Um unsere Laufreviere werden wir von vielen beneidet.


Dann läutete die „Schlussglocke.“ Ich ließ Melina Jan verfolgen, den sie ziemlich schnell wieder „einfing“ und wartete kurz auf Sabine. Die letzten zwei Kilometer fielen mir schwer. Sabine war alles andere als langsam und vor uns ging die Post ab. Melina und Jan legten den letzten Kilometer in 3:40 Minuten hin. Chapeau!


Nach 3:10 Stunden war der Spaß vorbei. Natascha und Jürgen kamen kurze Zeit später ins Ziel und die Truppe war wieder komplett. Es wurde noch gelacht und gequatscht; so gut das jetzt noch ging. Wir beendeten die Einheit übrigens bei schönstem Sonnenschein.


Mein Fazit heute: Jan’s Hüfte scheint das Mucken so langsam einzustellen. Er sah gut aus. Marco und Karsten zeigten heute hinten raus, was sie leisten können. Melinas Leistung ist nur schwer einzuschätzen. Sie hat ein unglaubliches Talent. Natascha hat weiter Boden gut gemacht. Das war von ihr heute ein sehr gleichmäßiger, richtig guter 35er. Jürgen ist ebenfalls gut dabei. Na ja… und für mich ist das wie eine Zeitreise. Es wird vermutlich nicht mehr lange dauern, dann renne ich wieder, wie ein Irrer, hinter der Ausnahmeläuferin Sabine her. Aber… das kenne ich ja schon.



Der Trainer auf der Verfolgung.


So, und jetzt kommen wir zum „Spruch des Tages.“ Am Ende des Laufs mussten wir noch 700 Meter dranhängen, um auf die 35 Kilometer zu kommen. Die lief ich mit Melina und Sabine zusammen. Als Jogi uns da auf seinem E-Bike überholte, sagte er: „Du hast es gut. Mit zwei so schönen Frauen durch den Wald zu laufen.“ Ich sagte nichts, weil ich außer Atem war, aber ich dachte: „Wenn Du wüsstest! Mit DIESEN beiden schnellen Frauen durch den Wald zu laufen, ist alles andere als nur schön. Vor allem ist es körperlich anstrengend…

 


Thomas Knackstedt



 

 

 

 

 

 

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