Schreiben und Lesen...

        

... das gehört zusammen wie gutes Training und ein schneller Wettkampf. Es muss aber nicht immer mit Laufen zu tun haben. Hier bekommt ihr jeweils eine Story angeboten, die sich ums Laufen dreht, oder auch nicht.





Egal   


Man kommt ganz schnell an diesen Punkt. Viel zu schnell. Wenn der Blick durch Scheuklappen begrenzt wird und Murphys Gesetz die einzige Regel der Welt zu sein scheint, dann bist du soweit. Wenn du ahnst, dass sich die Mächte der Finsternis gegen dich verschworen haben und auch das Wetter, das Schicksal und der liebe Herrgott nicht auf deiner Seite stehen, dann sage ich dir: Willkommen im Club!

 

Mit Bedacht und einem Gehirn, das nicht nur dafür da ist, den Hohlraum im eigenen Schädel auszufüllen, fragt man sich schnell, wie vermessen und anmaßend man selbst sein kann. Als ob irgendeine Macht der Welt oder des Universums(falls es so eine Macht überhaupt gibt) sich um ein einziges kleines Menschlein kümmern würde. Verrückt müsste diese Macht sein. Aber verrückt sind nur wir; keine Mächte. Wir machen uns wesentlich wichtiger, als wir sind. Das ist eines der zentralen Probleme der Menschheit. „Da wo meine Füße stehen, ist der Mittelpunkt der Welt!“ Das wusste Sven Regener schon. Jeder von uns lebt in seinem eigenen Universum und glaubt, dass alle Dinge, die in dieser Welt geschehen unmittelbar mit ihm zusammenhängen. Normalerweise reicht das für eine Einweisung in die Klapsmühle, aber… wir sind alle so!

 

Jedem von uns wird von klein auf eingetrichtert, dass wir es schaffen werden. Was? Na ja, eigentlich alles. Kinder glauben fast alles, was man ihnen erzählt. Das Märchen vom Erfüllen aller Wünsche verpufft allerdings relativ schnell zu einer inhaltlosen Blase. Es macht der Erkenntnis Platz, dass es fast nichts für umsonst gibt. Das für ein Geben fast immer auch ein Nehmen vorhanden sein muss. So läuft es.

 

Es ist nicht so, dass du von Morgens bis Abends mit einer Abstreich-Liste durchs Leben rennen musst. Aber alles was du tust hat Konsequenzen. Viele Menschen glauben, dass es nicht egal ist, ob man mit dem linken oder rechten Fuß zuerst aus dem Bett steigt. Glaube mir, dass ist eines von den Dingen, die wirklich komplett egal sind. Jede Art von Aberglauben kannst du dir da hinein schieben, wo niemals die Sonne scheint.

 

Streichelst du mit deiner Hand noch einmal sanft über den Rücken der Frau, die neben dir liegt? Sprichst du mit ihr beim Frühstück? Was hörst du für einen Radiosender? Siehst du die Kinder morgens noch? Falls ja, sprichst du mit ihnen? Machst du einen Witz? Machst du ihnen Mut? Bist du ein Vorbild? Oder vielleicht doch eher ein abschreckendes Beispiel? Diese Punkte sind wichtig! Sehr wichtig! Es gibt Menschen auf der Welt, denen du nicht egal bist. Mach dir das klar. Sobald dass der Fall ist, stehst du in der Pflicht, zumindest eine einigermaßen passable Figur abzugeben. Das hilft ihnen; vor allem aber dir!

 

Mit der Arbeit sieht es nicht anders aus. Interessierst du dich für deinen Job? Falls nein: Bleib bitte zu Hause. Es gibt genug stumpfe Idioten, die für Geld eine Tätigkeit ausüben, die sie selbst für sinnlos und stupide halten. Falls du zu denen gehörst und noch nicht gegangen bist, tust tu mir leid. Deine Anwesenheit hilft weder dir, dem Betrieb, noch der Kundschaft weiter. Such dir etwas, wofür du dich begeistern kannst. Etwas, von dem du annimmst, es macht Sinn. Falls du sagst, dass es so etwas nicht gibt: Das glaube ich dir nicht! Suche danach! Streng dich mehr an!

 

Jeder deiner Schritte, jede deiner Entscheidungen im Leben, ist wichtig. Es ist alles andere als egal, was du tust, was du isst, welche Partei du wählst, für welchen Verein du dich engagierst, welche Bücher du liest, wen du unterstützt und wen du bekämpfst. Auch wenn sich die Abläufe und Momente im Leben unweigerlich wiederholen, keiner davon ist unbedeutend. Versuch aus jedem das Beste zu machen. Zerreiss dich nicht, aber gib dass, was du hast.


 

Wenn die große Liebe kleiner wird und die Ehe keine Premierenvorstellungen, sondern nur noch Wiederholungen liefert, dann tu etwas dagegen. Du kannst viel bewirken. Aber nur, wenn du das auch probierst. Die Worte „Das ist doch eh egal. Das ändert sich sowieso nicht. Was soll ich schon machen?“ zeigen nur dir und allen anderen, dass du zu feige zum kämpfen bist. Niemand hat gesagt, dass es einfach wird. Für eine gute Ehe muss man jeden Tag etwas tun. Denke daran. Wir sind hier übrigens wieder bei dem Thema Geben und Nehmen. Erinnere dich bitte daran.

 

Das Leben ist ein Kampf. Schon immer gewesen. Egal, was alle anderen sagen. Glaube mir. Kindergarten, Schule, Ausbildung, Job. Ein Kampf. Du musst dich durchsetzen. Widerstände überwinden. Andere hinter dir lassen. Einer Taktik folgen. Erfolgreich sein. Das sind die Attribute des Kampfes. Aber das ist nicht negativ. Aufrichtig zu kämpfen kann für alle Beteiligten eine sehr ehrenvolle Angelegenheit sein. Ohne Haken und Ösen und doppelten Boden wird jeder ganz genau erkennen, was er leisten kann und was nicht. Niemand kann immer und überall Erster sein. Und wenn er es ist… er wird es nicht bleiben. Das sind nicht nur die Gesetze des Kampfes, sondern auch die Gesetze des Lebens.

 

Wenn du erkennst, dass alles was du tust, Konsequenzen hat. Für dich und für andere. Spätestens dann wirst du feststellen, dass nichts ohne jeglichen Sinn geschieht. Du schaffst den Sinn für dein Leben. Niemand anders. Mach dir das klar.

 

Wenn dann wieder einmal alles schief läuft und ein Niederschlag auf den nächsten folgt, dann flüchte dich nicht in Fatalismus. Das ist viel zu einfach. Den Kopf hängen zu lassen und zu glauben, dass man nichts bewirken kann, ist die einfachste Art zu fliehen. Doch Typen, die weglaufen, gibt es schon genug. Reih dich nicht ein in das Heer derer, die nur hinfallen können, aber mit dem Aufstehen Probleme haben.

 

Denk immer daran: Nichts ist egal! Gar nichts! Mit jedem Atemzug veränderst du deine Welt. Das wird manchmal anstrengend und schwer sein, aber nicht immer. Im Gegenteil. Dinge zu bewegen, zu gestalten, zu kämpfen und einen Sieg davon zu tragen, das sind wunderbare Erlebnisse für die es sich zu leben lohnt. Das Ende kommt von ganz allein. Unausweichlich. Bis dahin sollte dir nichts egal sein. Gar nichts…


    

Thomas Knackstedt

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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