Schreiben und Lesen...

        

... das gehört zusammen wie gutes Training und ein schneller Wettkampf. Es muss aber nicht immer mit Laufen zu tun haben. Hier bekommt ihr jeweils eine Story angeboten, die sich ums Laufen dreht, oder auch nicht.


 


Insel


Wir sind allein. Wir kommen allein auf die Welt und wir werden sie allein wieder verlassen. Auch wenn uns dieser Gedanke nicht gefällt, so bleiben wir in unserem gesamten Leben gefangen in uns selbst. Wir können Signale senden und empfangen, wir können halten und wegstoßen, lieben und hassen, stark sein oder schwach. Doch am Ende, ist jeder von uns eine Insel im Ozean des Lebens.


Ich habe mich von diesem Gedanken niemals runterziehen lassen. Im Gegenteil. Alles was ich tue, denke und bin, entstammt tief aus meinem Innersten. Ich muss mir selbst Rechenschaft ablegen, vor allen anderen. Nicht immer schön, aber unglaublich gerecht. Damit kann ich leben.


Irgendwann stellte ich dann fest, dass die Zustände allein sein und einsam sein nichts miteinander zu tun haben. Das war an dem Tag, als ich Dich fand. Ich habe nie nach Dir gesucht, doch als ich dich sah, da wusste ich, dass man auch etwas finden kann, von dem man nie wusste, dass man sein Leben lang danach gesucht hat. Du warst ein Magnet und ich ein loser Haufen Eisenstaub. Es dauerte nicht mehr als ein Sekunde und ich klebte an Dir. Bis heute hat sich daran nichts geändert.



Noch immer bin ich eine Insel. Du findest mich irgendwo zwischen meterhohen Wellen und hinter gefährlichen Riffen. Doch wenn du meine Gestade erreichst, siehst du mehr als nur ein Ufer. Das liegt an Ihr. Ihre Insel liegt direkt neben meiner. Unter Wasser treffen sich unsere Schelfe und sind dort für immer verbunden. Wir sind so nah zusammen, wie das überhaupt möglich ist. Ich habe Dir meine ganze Geschichte erzählt und wissbegierig Deiner gelauscht. Ich habe Dich in meinen Kopf gelassen und dort alle Türen für Dich geöffnet. Ich habe mich Dir voll und ganz ergeben, ohne dass Du mich jemals angegriffen hättest.


Im Ozean des Lebens gibt es niemanden, der mir näher ist als Du. Dabei liegen wir nicht aus Zufall so dicht beieinander, sondern weil wir es wollen. Die Geografie unseres Ozeans können wir zum Teil mitbestimmen. Das heißt bei uns, dass unsere Inseln von großen Wasserflächen umgeben sind. Wir haben alles, was wir brauchen. Ich habe Dich. Du hast Mich.


Wir sind allein. Wir kommen allein auf die Welt und wir werden sie allein wieder verlassen. Aber für die Zeit dazwischen, können wir uns Gefährten suchen. Inseln im Ozean, die uns vor Sturmfluten und Schiffbruch bewahren. Die den eigenen Horizont verschönern und uns das Gefühl geben, nicht allein zu sein. Auch wenn jeder von uns seine eigene Insel ist, so stark in seinen Träumen…



Thomas Knackstedt



 

 

 

 

 

 

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