Schreiben und Lesen...

        

... das gehört zusammen wie gutes Training und ein schneller Wettkampf. Es muss aber nicht immer mit Laufen zu tun haben. Hier bekommt ihr jeweils eine Story angeboten, die sich ums Laufen dreht, oder auch nicht.




Weiter unten findet ihr den Pressebericht für den 12 Stundenlauf in Hohenbüchen. Darüber findet ihr die komplette Homestory und jeder Menge Fotos ...


Gemeinsam sind wir stark.

 

Verdammt, die Musik des Radioweckers sticht wie ein Bajonett in meinen Kopf. Ich sehe auf die Zahlen der Uhr. Ich sehe die Fünf und die beiden Nullen, aber so richtig glauben kann ich es nicht. Ich habe Urlaub! Welcher Schwachmat hat da den Wecker auf 5:00 Uhr gestellt? Es dauert ein paar Sekunden, bis ich realisiere, dass ich dieser Schwachkopf war.

 

Ich stolpere neben Arkadi über den Radweg. Der Himmel spannt sich wie ein stahlblauer, dunkler Vorhang über uns, beherrscht von einem leuchtenden Halbmond. Um uns herum üben Fledermäuse ein paar Flugeinlagen. Ein schöner Anblick für den ich momentan jedoch noch nicht aufnahmefähig bin. Erst nach einem Brötchen und zwei Tassen Kaffee bin ich einigermaßen da. Was war da heute noch mal? Ach ja; der 12 Stunden Lauf in Hohenbüchen. Idee vom Doktor. An sich gut, von der Zeit her aber viel zu früh. Doch was soll’s? Wir machen uns auf den Weg.



Ein Stöckchen vor dem Start geht immer...

 

Als Kathrin und ich um Punkt 06:30 Uhr auf den Parkplatz vor dem Hilsbad Hohenbüchen fahren, sind wir die einzigen Menschen dort. Ich schaue auf die Uhr. Sind wir zu früh? Ist vielleicht doch erst Samstag? Nein, stimmt alles. Ich bin, was Laufwettkämpfe angeht, ein alter Hase. Wenn wir so etwas hier vor 20 Jahren gemacht hätten, dann würde unser Startläufer jetzt schon seine Runde vor dem Bad drehen, um Punkt 7 Uhr ein Feuerwerk abzubrennen. Von unserem Starläufer Mario ist allerdings weit und breit nichts zu sehen. Die Zeiten scheinen sich zu ändern.



Pünktlich und gut gelaunt: Messer.

 

Fünf Minuten später kommen Petra und Henning ins Bad. Die wohnen gleich nebenan und Henning organisiert heute ein 12 Stunden Schwimmen. Petra läuft bei uns. Von den restlichen Läufern ist noch immer nichts zu sehen. Dann rauschen der Doc und Messer an. Geht doch. Aber wo ist mein Startläufer? 15 Minuten vor dem Start erscheint Mario. Er ist locker und entspannt und ich würde ihn am liebsten fragen, ob er hier zur Sommerfrische angereist ist oder sich vielleicht doch schon mal warm macht, um gleich die Sohlen seiner Laufschuhe glühen zu lassen. Das mache ich dann aber lieber doch nicht.



So sieht es also aus: "Modernes Aufwärmen."

 

Tatsächlich findet sich Laufteam 1 bis zum Start unter dem kleinen Pavillon im Bad ein. Mario rennt los und die Spiele beginnen. Die Luft ist angenehm, die Sonne lugt gerade über die Berge und der Tag beginnt harmlos. Ich weiß allerdings, dass sich das ändern wird.



Lutz auf der Strecke.

 

Wir wollen auf einer 2 Kilometerrunde um das Bad herum so viele Kilometer schaffen, wie man das mit unserer Truppe in 12 Stunden hinbekommt. In Anbetracht der Tatsache, dass ich das Leistungsvermögen meiner Läufer/innen kenne, denke ich, dass wir 150 Kilometer schaffen könnten. Sicher bin ich da allerdings nicht. Das Ziel ist hoch gesteckt. 



Schnelligkeit, die man sehen kann: Johannes.

 

Ich gehe als zweiter Läufer an den Start und fühle mich in die Runde ein. Vom Bad geht es leicht bergan zum Pfingstanger. Dort warten 150 Meter Steilanstieg. So früh am Morgen eine echte Herausforderung. Oben angekommen sind meine Beine blau. Danach darf man sich auf der Strecke 800 Meter fallen lassen. Sehr schön. Die letzten 500 Meter zum Wechselpunkt sind geschenkt. Ich schicke den nächsten Mario ins Rennen. Das wird von einem wunderbaren Hupton eingeleitet. Henning hatte die Idee, damit man auch hört, wenn gewechselt wird. Sehr schön. Mario düst los. Er ist kurzfristig für unseren Supermario eingesprungen, der gesundheitlich angeschlagen passen musste. Zusammen mit Silvia ist Supermario aber trotzdem da und die beiden regeln die Organisation bei den Wechseln. Das nenne ich mal echte Verbundenheit.



Was für eine Strecke! Kathrin muss den Berg hoch.

 

Nach Mario sind der Doc, Messer und Jürgen dran. Jeder dreht seine Runde mit Tempo. Noch immer ist es angenehm kühl draußen. Jedenfalls im Vergleich zur Hitze die noch kommen soll. Unsere Sechsergruppe läuft drei Stunden im Wechsel und wir schaffen dabei 42 Kilometer. Jetzt macht sich die Wärme langsam breit und Gruppe zwei, bestehend aus Bruno, Annike, Kathrin, Petra, Lutz Silvia und Birgit, muss ins Rennen. Mittlerweile füllt sich das Bad und wir werden von ein paar Zuschauern beäugt. In ihren Augen erkenne ich: Bei dem Wetter laufen? Die sind doch verrückt.



Annike darf runter laufen.


Zusammen mit Arkadi laufe ich eine Runde aus. Ich nehme die Kamera mit und schieße ein paar Fotos von Bruno und Annike. Das Licht ist perfekt und die beiden geben wirklich gute Motive ab. Anschließend schaue ich mir alle Mitglieder von Gruppe zwei im Einsatz an, ehe ich Arkadi nach Hause bringe. Es wird zu heiß für unseren befellten Freund. Bevor ich fahre, genieße ich aus der Nähe das Gefühl der Gruppe. Wie oft habe ich das schon erlebt? Ich bin mir ganz sicher: Unsere Youngster können das so noch nicht fühlen. Gemeinsam Kilometer abzureißen, einer für den anderen, die Leiden der Mitläufer förmlich mitzuspüren und mit ihnen zu fiebern. Es gibt für einen Läufer kaum ein schöneres Gefühl. Ich sehe in die Augen der älteren Lauftreffmitglieder und erkenne dort genau die gleiche Wehmut, die mich gerade erfasst hat.



Bruno war unser "Schweizer Uhrwerk."
 

Mittags ist die Hitze da. Gnadenlos und ohne Erbarmen verwandelt sie unseren kleinen Kurs in einen Backofen. Henning hat am höchsten Punkt der Strecke eine Gartenschlauchdusche installiert. Die wird dankend angenommen. Mittlerweile hat sich Team 2 schon ordentlich verausgabt. Doch Verstärkung naht. Janne Ole, ein 16jähriger Bursche, will mitlaufen und bekommt seine Chance. Er macht seine Sache gut und darf ein paar Starts übernehmen. Auch Silas und sein Vater Stefan stoßen zu uns. Sie laufen ebenfalls einige verdammt schnelle Runden für uns.



Silas macht Betrieb.

 

Um 13 Uhr geht Team 1 wieder ins Rennen. Die Hälfte haben wir. 77 Kilometer stehen auf dem Zettel. Nicht schlecht, doch die Tortur beginnt erst jetzt. Jedem unserer Läufer ist anzusehen, wie anstrengend der Lauf jetzt wird. Die Rundenzeiten können gehalten werden, aber dafür wird ein hoher Preis gezahlt. Mir brennt bei jedem Lauf die Lunge und ich bin heilfroh, wenn ich durch bin. Den anderen ergeht es ähnlich. Als Johannes, der bis Mittags arbeiten musste, zu uns stößt, dürfen wir alle noch einmal staunen. Mario W. und Stefan haben zwei Runden mit Zeiten von 7:30 Minuten hingelegt. Die sind bisher top. Johannes brennt im ersten Lauf eine 6:45 Minuten in die Strecke. Boooooah! Was für ein Lauf!



Entspannung zwischen schnellen Runden: Johannes, Nadine und Annike lockern die Beine.

 

Nur einmal gerät die gut geölte Maschine unseres 12 Stunden Laufs für eine Sekunde ins Stocken. Stefan kommt zum Wechselpunkt und Mario, der laufen soll, hat seine Klamotten noch nicht an. Johannes sieht das sofort und macht etwas, was Kathrin mit den Worten: „Peng, zack, hup, weg“ umschreibt. Mario schaut noch überrascht, als Johannes sich schon in die Runde gestürzt hat.



Jung und dynamisch: Janne Ole.

 

Zum Ende wird es, wie nicht anders erwartet, zäh. Die meisten von uns sind sechs schnelle Einheiten gelaufen und merken, dass da nicht mehr viel geht. Annike aktiviert telefonisch unseren „Joker“ Dennis. Der ist gerade aus dem Urlaub zurück und erklärt Annike am Telefon, dass er auf dem Sofa sitzt. Die entgegnet: „Sofa? Das glaube ich ja wohl nicht. Komm her, du musst laufen!“ Dennis ist kurze Zeit später da und legt noch zwei schnelle Runden für uns hin. Dankbare Blicke von uns allen sind der Lohn dafür. Auch Bruno zieht seine Läufe am Ende knallhart durch. Hut ab.



Freundinnen: Kathrin und Petra.

 

Die Einteilung stimmt letztendlich. Wir knacken die 150 Kilometer 20 Minuten vor Toresschluss. Dennis knallt die vorletzte Runde raus und die letzten 2 Kilometer nehmen wir alle gemeinsam in Angriff. Ganz, ganz, langsam. Aber: Ich fand, das war die anstrengendste Runde von allen. Wenn ich mir meine Mitläufer ansehe, so glaube ich, dass sie ähnlich empfinden.




Tolle Zeitnehmer mit Unterstützung: Silvia, Mario und Arkadi.
 

Am Ende stehen 154 Kilometer und 12 Stunden gemeinsame Anstrengung auf dem Zettel. Das hat großen Spaß gemacht. Schade war nur, dass Karsten, Marco, Rouven, Mattis, Arne und Besi nicht dabei waren. Die wären ebenfalls voll auf ihre Kosten gekommen und gehören ganz fest zum Kitt, der diesen „seltsamen Haufen“ zusammenhält. Einige von denen, die heute am Start waren, wissen noch nicht, oder haben nie erlebt, wie wunderbar es sein kann, Teil einer Gruppe zu sein. Sich einzufügen in ein Getriebe, wo jedes Rädchen vom anderen abhängt. Wo es nur funktionieren kann, wenn einer sich für den anderen einsetzt. Wenn zusammen gelitten, gekämpft und gefeiert wird.



Schlussrunde im Hitzestaub.

 

Ach ja… feiern. An diesem Abend läuft nicht mehr viel. Ein Bierchen zum Abschluss, dann nach Hause und nur noch ausruhen. Aber gefeiert wird noch; ganz sicher. Wenn ich eins in den letzten 22 Jahren als Laufgruppenchef gelernt habe: Diese Truppe, die zusammen Kilometer um Kilometer „fressen“ kann, die ist im Feiern mindestens genau so gut…



Thomas Knackstedt



Hier der Pressebericht:



Bereit: Kathrin.



Lauftreff Delligsen läuft 154 Kilometer für den Erhalt der Delligser Oberschule.

 

Wenn man den Erhalt des Schulstandortes Delligsen/Duingen erhalten will, muss man vermutlich genau das tun, was der Delligser Lauftreff in einer gemeinsamen Aktion mit dem Hilsbad Hohenbüchen getan hat. Man muss zusammenhalten, sich gegen Widrigkeiten durchsetzen, kämpfen und zusammenrücken.

 

Hatte eine gute Idee: Thomas.

Das 12 Stunden Schwimmen des Hilsbades Hohenbüchen für den Erhalt der Delligser Oberschule, war das Signal für Thomas Griebel, seine Laufgruppe zu aktivieren. So klinkten sich die Delligser Läufer im Rahmen eines begleitenden 12 Stunden Laufs mit in die Veranstaltung ein. Was würde besser passen? Im Lauftreff laufen seit über 20 Jahren Läufer/innen aus Delligsen, Grünenplan, Duingen und der gesamten Region zusammen. Jeder von ihnen hat ein Interesse am Erhalt des Schulstandortes; die meisten sind selbst hier zur Schule gegangen.

 

Jürgen hängt sich rein.

Bei Temperaturen über 30 Grad, hohen Ozonwerten und einer gnadenlos scheinenden Sonne, war das Ziel der Delligser nicht so leicht zu erreichen. Es sollten in 12 Stunden mehr als 150 Kilometer zusammenkommen. Der 2 Kilometer Rundkurs in der Nähe des Hilsbades war dabei nicht ohne. Auf einer Runde waren 50 Höhenmeter zu überwinden und wer Schatten suchte, fand ihn nicht.

 

Mario W. im Anflug.

Mit 2 Sechsergruppen ging der Lauftreff das Geschehen an. Diese wurden im Lauf des Tages von sieben weiteren Läufern verstärkt, die mit ins Geschehen eingriffen. Gerade in den Nachmittagsstunden war jeder Läufer für eine Pause dankbar und es zeigte sich, wie wichtig es ist, zusammen zu stehen und für den anderen einzuspringen. Letztendlich ging jeder Läufer/in an seine persönlichen körperlichen Grenzen. Das sorgte für ein Endergebnis von 154 Kilometern. Angesichts der schwierigen äußeren Verhältnisse ein wirklich gutes Ergebnis.

 

Noch ein Mario; und der hängt gerade ein Auto ab.

Die mit Abstand schnellste Runde legte Johannes Möller mit 6:45 Minuten hin. Die durchschnittliche Rundenzeit betrug 9:21 Minuten. Die ersten 100 Kilometer wurden in 7:45 Stunden gelaufen. Die älteren „Haudegen“ der Laufgruppe freuten sich vor allem über reichlich Nachwuchs auf der Strecke. Letztendlich zeigte die Aktion, wie wichtig es ist, im Team zu agieren und sich auf seine Mitläufer verlassen zu können. Für die Rettung der Oberschule kann man in dieser Hinsicht nur hoffen, dass die Menschen aus Delligsen und Umgebung ebenfalls eine starke, gemeinsame Stimme finden.



Ein Bild, das so ziemlich alles ausdrückt, was Laufen ausmacht. Annike startet mit Tempo in die Runde.



Thomas Knackstedt




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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