... das gehört zusammen wie gutes Training und ein schneller Wettkampf. Es muss aber nicht immer mit Laufen zu tun haben. Hier bekommt ihr jeweils eine Story angeboten, die sich ums Laufen dreht, oder auch nicht.
Trainingslager unter erschwerten Bedingungen.
Es geht mal wieder an den Edersee. Zum vierten Mal absolvieren wir dort unser Trainingslager für den Frühjahrsmarathon. In diesem Jahr hält das Frühjahr zwei echte „Knaller“ für uns bereit. Die Deutschen Meisterschaften im Halbmarathon, die am 22. März in Frankfurt stattfinden. Und die Deutschen Meisterschaften im Marathon, die am 5. April in Hannover ausgetragen werden. Da sollte jeder unserer Teilnehmer schon jetzt hoch motiviert sein.
Wir haben es echt geschafft, bei diesen eher suboptimalen Wetterbedingungen, mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und einer geschlossenen Schneedecke, 20 Läuferinnen und Läufer für das Trainingslager zu gewinnen. Ein neuer Rekord. Zum zweiten Mal „entern“ wir das „Ferienresort Edersee“, wo mehrere Tiny-Bungalows auf uns warten.
Pflichtprogramm: Foto auf der Staumauer.
Kathrin, Arkadi und ich sammeln Petra ein und ab geht die Fahrt. Der Rest der Truppe hat sich in Fahrgemeinschaften zusammengetan und folgt uns selbstständig. Unsere Anfahrt verläuft problemlos und wir sind die ersten vor Ort. Kurze Zeit später kommt Johannes und wir suchen schon mal die Schlüssel für die Bungalows zusammen. Nach und nach trudeln alle ein und beziehen ihre Häuser. Dann steht auch schon die erste Einheit auf dem Plan. Ein 10 Kilometer-Lauf, in den 5 Kilometer volles Tempo eingebettet sind. Also: Los geht es!
Gleich geht es los. Jörn nimmt schon Anlauf.
Es ist kalt und meine Beine sind schwer. Das Warmlaufen war ja ganz nett, aber jetzt sind wir gerade im Tempo. Meine aktuellen „Lieblingsgegner“ Messer, Roman und Jacqueline lassen mich gnadenlos stehen. Meine Frustration ist grenzenlos. Im Gegenverkehr auf der Pendelstrecke rauschen Jan, Johannes, Jörn, Annike, Karsten, Marco und Co. an mir vorbei. Da kann ich nur staunen und mich für sie freuen. Ich bin nach 23:26 Minuten durch und Fix und Foxi. Das ging schon mal gar nicht gut los.
Die anderen warten schon.
Das anschließende Essen im „Zündstoff“ entschädigt dafür jedoch komplett. Der Laden ist top-organisiert. Wie schnell dort Getränke und Essen den Weg auf die Tische finden ist vorbildlich. Das läuft wie eine gut geölte Maschine. Auch das Essen ist erste Klasse. Wir sind allesamt begeistert, aber nicht nur vom Essen. Im großen Raum der Kneipe findet eine Motto-Geburtstagsfeier statt. Der Laden ist proppenvoll mit Winnetous, Old Shatterhands, John Waynes und Nscho-tschis. Der Hammer. Das sorgt auch noch für Gesprächsstoff, als wir den Abend im Bungalow bei einem Bier und einem Glas Wein ausklingen lassen.
Unterwegs ist immer Zeit für einen Schnappschuss.
Supermario und ich teilen uns einen Bungalow. Großer Luxus. Wir schlafen gut und brauchen zum Frühstück nur einen Bungalow weitergehen. Da werden wir bei Kathrin, Petra und Ulrike durchgefüttert. Arkadi wartet auch schon auf uns. Mit ihm muss ich erst eine Runde spazieren gehen. Annike leistet uns mit ihrer Hündin Frieda dabei Gesellschaft. Das gefällt mir und den Hunden sowieso.
Für mich ist das Frühstück immer ein Highlight des Tages. Das ist auch heute so. Der Tisch ist prall gefüllt mit vielen Leckereien. Natürlich hat Mario von seinem selbst produzierten Honig mitgebracht. Wir starten perfekt in den Tag.
Messer hängt mich ab.
Nach dem Frühstück ist eine kurze Pause angesagt. Um 10 Uhr steht dann der erste Trainingslauf des Tages an.
Heute müssen wir zum Teil durch den Schnee. Das macht die Sache nicht einfacher. Am Anfang geht es von der Staumauer aus die Hammerbergstraße hinauf. Der Name ist Programm. Es ist so steil, dass wir alle sehr schnell warm werden. Auf den ersten Kilometern am Seeufer rutschen wir nicht schlecht. Dafür gibt es einen kurzen Stopp, bei dem Annike ein paar Fotos von uns schießt.
"Medien-Beauftragte" Annike.
Dann wird es zunächst besser und wir können auf geräumten Wegen laufen. Die Gruppe trennt sich nach 10 Kilometern. Je nach Leistungsvermögen laufen wir jetzt zusammen. Ich bin mit Messer unterwegs und wir erkunden alle möglichen Wege rund um unser Resort. Da sind schöne Abschnitte auf geräumtem Untergrund mit herrlichem Blick auf Ferienhäuser dabei. Aber leider auch Tiefschnee-Stapfen und Rutsch-Einheiten, die wir mit ein paar Flüchen begleiten. Am Ende entdecken wir sogar noch den „Eichhörnchen-Pfad.“ Spannend. Nach etwas über 20 Kilometern kommen wir zwar erschöpft aber immer noch gut gelaunt wieder im Resort an. Auch die anderen Läufer sind mittlerweile wieder zu Hause.
Wo geht es lang? Orientierung im Nebel.
Jetzt heißt es die Speicher füllen. Wir futtern, trinken etwas und ruhen uns dann aus. Ich schlafe eine Stunde und als ich wieder wach bin, höre ich Mario aus seinem Zimmer schnorcheln. Das nenne ich Entspannung. Ein Blick aus dem Fenster lässt mich staunen: Die Sonne scheint! Verdammt, davon hat die Wettervorhersage aber nichts gesagt. Ich freue mich.
Und dann kam die Sonne.
Die Freude ist jedoch schnell vorbei. Denn eins kann ich euch versichern: Wenn man morgens 20 Kilometer gelaufen ist und am Nachmittag 5 x 2000 Meter Tempotraining laufen soll, kommt das einer harten Bestrafung ziemlich nah. So laufen wir uns mit einem Grummeln im Bauch warm und ab geht es auf die Tempostrecke.
Natascha und Mario lassen es erst einmal ruhig angehen.
Ich muss mich wirklich in den Hintern treten, um auf Geschwindigkeit zu kommen. Aber heute läuft mir wenigstens Messer nicht weg und Jacqueline und Roman sind auch nicht so weit entfernt. Geht doch. Vorn sind unsere schnellen Hirsche echt gut dabei. Jan präsentiert sich in guter Form und führt das Feld an. Johannes, Jörn, Karsten, Annike und Marco sind auch verdammt schnell unterwegs. Natascha, Mario und Jürgen geben ebenfalls ihr Bestes.
Karsten passiert Kathrin, Mario und Arkadi im Tempo.
Heute bin ich ganz zufrieden mit mir. Vor allem freue ich mich aber über diese große Gruppe, die sich so reinhängt. Ein Teil davon zu sein bedeutet mir eine Menge.
Als die Einheit durch ist sind wir alle froh. Das war schon eine Quälerei. Mit knapp 33 Kilometern an diesem Tag waren wir echt gut dabei. Das werden wir Morgen früh mit Sicherheit merken.
Roman und Jörn freuen sich schon auf den Lauf.
Jetzt geht es aber erst einmal unter die Dusche. Danach gibt es einen Glühwein und wir warten auf die bestellte Pizza. Das dauert bei dieser Anzahl länger als geplant, aber es lässt sich halt nicht ändern. Ich futtere auf jeden Fall so viel wie reingeht. Mario würde sagen: „Der Körper verlangt nach Treibstoff für den Motor.“ Den soll er haben.
"Sonnenschein" Natascha und Jürgen.
Wir schauen noch ein wenig Olympia, reden über den Tag, trinken ein Bier und sind glückselig. Das wäre für heute geschafft. Eine gute Leistung.
Der Abschlusslauf erwartet uns. Wir haben gut geschlafen und nach dem Gassi-Gang mit Arkadi frühstücken wir in aller Ruhe. Das tut verdammt gut. Während wir am Frühstückstisch sitzen, hören wir Technomusik und laute Bässe wummern. Ich denke zuerst, dass ein Teil meiner Läufer sich auf den Lauf einstimmt, aber weit gefehlt. Es ist die Karnevalsgemeinschaft Hemfurth/Ederseee, die einen Gang durch die Gemeinde absolviert. In Kostümen mit Musik und Gesang marschiert die Gruppe durch den dichten Nebel, der noch herrscht. Ein surreales Bild für uns Niedersachsen. Da schauen wir natürlich gern zu.
Die Jecken im Nebel.
Nach dem Frühstück können wir schon ein paar Sachen packen, ehe es um 10 Uhr auf die Abschlussrunde geht. Die habe ich mit Messer ausgesucht, und zwar nach der Devise: Kein Schnee!
Die Stimmung im Trainingslager war bestens.
Es geht zunächst wieder die Hammerbergstraße hinauf. Vom mehrmaligen Hochlaufen wird das auch nicht einfacher. Oben angekommen haben wir fast einen White-Out, so dicht ist der Nebel über dem Schnee auf den Feldern. Wir bleiben auf geräumten Wegen und legen 5 Tempoeinheiten ein, die zwischen 700 und 1200 Metern Länge sind. Jeder von uns merkt seine Beine. Der ein oder andere ist nicht mehr sprintfähig und läuft seine Runde locker. Den Peterskopf hinauf werden die Oberschenkel noch einmal richtig gefordert. Am Ende stehen dann noch 700 Meter Tempo in der Ortschaft Edersee an. Bei diesen Sprints bin ich gut drauf, allerdings muss ich mich trotzdem bei einigen Läufern hintenanstellen. Ich laufe bei jedem Sprint als erster los und werde in schöner Regelmäßigkeit nach kurzer Zeit nicht zuerst von den ganz Schnellen wie Jan, Jörn oder Johannes überholt, sondern Jacqueline schießt regelrecht an mir vorbei. Sie scheint für ihren Laufsport echt zu brennen. Das gefällt mir. Zum Schluss laufen wir dann locker zum Ferienresort hinauf. Nachdem wir das letzte Steilstück erklommen haben, ist das Trainingsprogramm geschafft.
Jan und Jacqueline auf dem Weg zur "Arbeit."
Jacqueline hat im Trainingslager den Leoparden rausgelassen.
Jetzt heißt es duschen und die restlichen Sachen packen. Danach geht es noch einmal in den „Zündstoff“ zum abschließenden Essen. Auch dieses Mal bleiben dort keine Wünsche offen, es ist perfekt. Wir lassen lachend die besten Szenen des Trainingslagers noch einmal Revue passieren. Da waren viele flotte Sprüche und Flüche, so wie es gerade richtig gut oder gar nicht gut ging. Jeder von uns hat schwere Beine. Diejenigen, die schon mehrere Trainingslager-Aufenthalte hinter sich haben wissen aber genau: Davon wird etwas bleiben. Es wird jeden einzelnen von uns verbessern. Die Schinderei auf den Laufstrecken wurde an jedem Abend durch unser Zusammensein und die Freude am Laufsport relativiert. Das macht diesen Haufen aus. Wäre das nicht so, niemals hätten wir 20 Läufer an diesem Wochenende zusammenbekommen. Als wir nach Hause fahren, denke ich an den Trainingsplan eines japanischen Weltklasse-Marathonläufers. Der Plan deckte eine Woche im Trainingslager ab, in der von dem Läufer 330 Kilometer abgespult wurden. Nach der letzten Einheit stand dann nur noch ein Satz auf dem Plan: „Abreise in ein weiteres Trainingslager.“ Schauen wir mal, wann wir uns wieder auf den Weg machen…
Thomas Knackstedt