Link oder Leben
Hier ist Platz für alle Themen rund ums Laufen und Leben. Diese Rubrik kann sich bei besonderen Anlässen ändern und sich ganz speziell auf einen Wettkampf oder andere Dinge focussieren.
Ansonsten ist hier Raum für alles, was uns bewegt. Freundschaft, Abenteuer, Liebe, Leben, Alltag oder Urlaub. Lasst euch einfach überraschen...
Silvester on Ice
oder
Gotham City ist überall.
Wieder geht ein Jahr zu Ende. In unserer Laufgruppe ist es da schon zum Ritual geworden, sich am letzten Tag des Jahres zu treffen und eine gemeinsame Runde zu laufen. In diesem Jahr war Natascha die Initiatorin unsers Silvesterlaufs. Wir verabredeten uns auf 10 Uhr am Von Langen Platz, um dann über den Kammweg zum Raabeturm und Roten Fuchs zu laufen. Von dort sollte es über den Langen Weg wieder zum Ausgangspunkt zurückgehen. Da kamen dann ungefähr 16 Kilometer zusammen.
Natascha, Karsten, Arne, Messer, Dennis, Mario und ich waren am Treffpunkt. Und dann kam, zu unser aller Überraschung, noch ein alter Bekannter dazu. In schwarzem Gewand, mit Six-Pack und Maske, machte uns Marco „Batman“ seine Aufwartung. Er hat uns schon mehrfach begleitet und ist ein gern gesehener Gast. Mit ihm an unserer Seite brauchen wir uns um das Thema Sicherheit keine Gedanken machen. Zur Unterstützung waren dann auch noch Leni und Karl dabei, unsere vierpfotigen Schnüffler.
Gleich geht es los.
Es ging zunächst bergauf. Kalter Wind, hier und da ein wenig Schneegriesel, aber ein trockener, gut zu belaufender Boden. Die Verhältnisse waren okay. Wir blieben in der Gruppe zusammen. Dann kamen die Top-Anstiege zur Feuerschneisenhütte und anschließend zur Bloßen Zelle. Da hieß es: Kopf nach unten, einen Schritt vor den anderen setzen, irgendwann wird man schon oben ankommen. Die Sicht war miserabel. Aber als Batman sein Cape im Wind um die Feuerschneisenhütte flattern ließ, wussten wir alle: Gotham City ist überall! Was für ein Anblick!
Er wacht über unseren Schlaf: Batman!
Weiter ging es zum Raabeturm. Dort trafen wir auf ein Pärchen mit zwei Hunden. Die Menschen freuten sich Batman zu sehen, die Hunde wirkten etwas verstört. Das Pärchen wies uns darauf hin, dass es in Richtung Roter Fuchs sehr glatt werden würde. Ich dachte noch: „Hä? Wir sind ja schon knapp 7 Kilometer unterwegs und glatt war es nirgendwo.“ So liefen wir weiter. Nach etwas 200 Meter kam uns ein Spaziergänger entgegen, der uns zurief: „Aufpassen. Es wird glatt!“ Die schienen sich also abgesprochen zu haben. Noch ehe ich mir weitere Gedanken machten konnte, legte Batman die erste „Flugeinlage“ des Tages hin. Rummmms! Lag er da. Wir stellten sofort fest, dass der gesamte Schotterweg komplett von einer Millimeter dicken Eisschicht überzogen war. Jeder Schritt auf dieser Fläche war extrem gefährlich. Mit Schlittschuhen wäre man da perfekt zurechtgekommen.
Gemischte Gruppe unterwegs.
Batman legte noch einen zweiten Flug hin. Messer und Dennis schlossen sich kurze Zeit später an. Dieses Fliegen ist echt ansteckend. Den nächsten Kilometer verbrachten wir damit schlitternd und rutschend, abseits des Weges, zumeist im Graben oder auf Laubflächen, voranzukommen. Es war tatsächlich unvorstellbar glatt.
An der Feuerschneisenhütte.
Erst auf dem Langen Weg löste sich die Eisfläche auf und wir konnten wieder laufen. Eine echte Erleichterung. Das Gleichgewicht halten und unsichere Bewegen auf dem Eis kosten nicht nur Kraft, sondern geht auch auf Rücken und Knie. Das freie Laufen setzte dann noch einmal Kräfte frei. Mario und Batman machten den Weg frei, Leni direkt im Schlepptau. Natascha, Messer, Dennis, Karsten Arne und ich folgten. Karl trieb das Feld vor sich her. Und wie es immer so ist: Je näher wir dem Ziel kamen, desto schneller wurde es.
Kann jederzeit wiederkommen: Batman.
Wieder am Von Langen Platz freuten wir uns alle über einen gelungenen Jahresabschluss-Lauf und, dass sich niemand die Knochen gebrochen hat. Das wäre heute allemal drin gewesen. Auf dem Nachhauseweg habe ich dann Batman im Auto mitgenommen, weil er keinen Bock mehr hatte, bis nach Gotham City zu laufen. Das war natürlich gern geschehen. Ich freue mich schon jetzt darauf, wenn die große Fledermaus das nächste Mal an unserer Seite läuft.
Thomas Knackstedt
Laufen unter Freunden.
In den letzten Jahren merke ich immer wieder, wie alt ich bin. Das passiert natürlich beim Laufen. Die Leistung geht runter, das bekommt jeder mit. Aber ich meine noch etwas anderes. Je älter man wird, desto mehr Menschen kennt man. In letzter Zeit passiert es mir immer wieder, dass meine Läufe unterbrochen werden, weil ich unterwegs jemanden treffe, den ich kenne. Früher hätte mich das unsagbar gestört, aber heute gefällt mir das. Verrückt, oder?
Auch heute war es so. Ich hatte eine 10 Kilometer Runde auf dem Zettel, um schon mal ein paar Kalorien zu verbrennen, die mit dem Entenbraten heute Abend wieder Einzug in meinen Körper halten würden.
Seit Tagen war das Thermometer endlich mal wieder in den Plusbereich gehüpft. Wenn auch nur um einen einzigen Grad. Aber gegen die 11 Grad Minus der letzten Tage war das fast schon kuschelig warm.
Ich lief in Richtung Grünenplan. Ließ den Ort rechts liegen und nahm einen Schleichweg in Richtung Wassertretanlage. Kurz bevor ich dort ankam, traf ich meinen alten Fußballkumpel Andi. Der war mit seinem Hund spazieren. Wir hatten damals auf dem Fußballplatz eine verdammt gute und sehr erfolgreiche Zeit. Natürlich haben wir ein wenig gequatscht. Es wäre schlimm, hätten wir das nicht gemacht.
Danach näherte ich mich meinem Wendepunkt. Dort blieb ich an einer gefrorenen Fahrzeugspur hängen und stieß mir so richtig schön den großen Zeh an. Da war ich wieder hellwach. Zurück ging es leicht bergab und ich konnte das Tempo anziehen.
Kurz vor zuhause überholte ich dann noch eine Bekannte, die ich längere Zeit nicht gesehen hatte. Auch hier war ein kleiner Stopp angesagt und ein kurzes Gespräch. Sehr schön. Danach ein Schlussspurt nach Hause und die 10 Kilometer waren in der Tasche. So, jetzt kann der Entenbraten kommen. Ich freue mich schon…
Thomas Knackstedt
Ohne Fleiß kein Preis.
Ich hatte mich ja vor kurzem darüber ausgelassen, wie wichtig es ist, einen Fokus auf das Training zu richten. Gehen wir jetzt noch einen Schritt weiter: Wie ist der richtige Weg zum Erfolg? Wie kommt man dahin, wo man unbedingt hinwill?
Der Extremsportler Mikael Lindnord hat dazu einen schönen Satz geprägt:
„Es gibt nur einen Ort, wo Erfolg vor Mühe steht. Und das ist im Wörterbuch.“
Besser kann man es nicht sagen. Wir Amateursportler nehmen uns immer wieder Beispiel an den ganz Großen der Zunft. Warum als Läufer nicht trainieren wie Amanal Petros? Wieso nicht als Fußballer wie Harry Kane? Wieso nicht als Basketballer wie Dennis Schröder?
Die Antwort, jedenfalls bei den Läufern ist einfach: Weil es schlichtweg sinnfrei ist. Ein Marathonläufer der Weltspitze ist ein Mensch, der zum einen hochgradig talentiert ist und zum anderen ohne Wenn und Aber auf Leistung ausgerichtet ist. Dazu kommen körperliche Voraussetzungen (die nur sehr bedingt durch Training zu verbessern sind), die dafür sorgen, dass die Top-Frauen an die 200 Kilometer die Woche und die Männer über 300 Kilometer die Woche an Trainings-Laufumfang absolvieren können. Von diesen Menschen gibt es nicht viele auf diesem Planeten. 99.9 Prozent aller Amateurläufer würden am Trainingsumfang eines Weltklasse-Profis zerbrechen.
Es sind diese drei Dinge, die einen Top-Läufer auszeichnen. 1. Die körperlichen Voraussetzungen. 2. Das Talent. 3. Der Wille zum Erfolg, dem alles im Leben untergeordnet wird.
Erfolge bei Volksläufen...
Will man da Profi-Läufer sein? Ich jedenfalls nicht. Aber natürlich können wir uns einiges abschauen. Was wir in den letzten Jahren immer wieder sehen, ist die Abkehr vom alten Grundsatz „Viel hilft viel.“ Das läuft bei den Profis nicht mehr und bei den Amateuren schon gar nicht. Die Profis arbeiten körperlich am absoluten Limit. Das sollten wir als Amateure tunlichst unterlassen. Fast alle Ausfälle im Lauf-Amateursport haben ihren Grund nicht in Krankheit oder Unfallgeschehen, sondern fast immer in Überlastung. Entweder wurden Sehnen und Muskeln zu arg malträtiert, Knochen überlastet oder das Immunsystem abgeschossen. Das bekommen Amateure übrigens deutlich besser hin als Profis. Was vor allem daran liegt, dass Profis bessere Berater und medizinisches Monitoring haben als Amateure.
Es heißt also zu wissen, was man kann und was nicht. Seine Schwachpunkte herauszufinden und die gezielt durch Training abzustellen. Und natürlich seine Stärken ausbauen. Dann heißt es: Vor dem Können kommt das Wollen. Wer dann noch eine für sich angepasste, clevere Belastung im Training findet, der ist auf dem richtigen Weg.
Das richtige Verhalten, in Zusammenspiel mit einer guten Renntaktik, sind dann die Tüpfelchen auf dem i, um erfolgreich zu sein. Wobei wir auch immer daran denken sollten, was Erfolg eigentlich ist. Ich habe da meine ganz eigenen Vorgaben. Wenn ich einen hochtalentierten Läufer in der Gruppe habe, der trainingsfaul und beratungsresistent ist und allein durch sein Talent die regionalen Volksläufe gewinnt, dann rangieren seine Erfolge, jedenfalls in meiner Rangliste, ganz weit hinter einem talentfreien, aber begeisterten Läufer, der es mit Willenskraft, Mut und Durchhaltevermögen schafft sich bei einem Volkslauf gut zu platzieren.
... sehen ganz genau so aus.
Ihr solltet euch also gut überlegen, was ihr für euch selbst als Erfolg wertet. Ich kenne Amateurläufer, die wollen einfach nur gewinnen. Ob dafür eine gute oder mittelmäßige Leistung reicht, ist egal. Nur Platz 1 zählt. Wiederum anderen sind Platzierungen völlig egal. Die schauen auf die Zeit und haben nur ein Ziel: Sich zu verbessern. Diese Läufer habe ich ganz fest in mein Herz geschlossen.
Egal, was ihr für euch beschlossen habt, am Ende müsst ihr investieren, um Erfolg zu haben. Zeit, Kraft, Wille, Mut und Grips. Je besser ihr das hinbekommt, je erfolgreicher werdet ihr sein.
Thomas Knackstedt
Links:
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Wer einen Blick auf meine Amazon-Seite werfen möchte, kann das hier tun:
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