Die Anmeldung zum Hilskammlauf 2022 ist freigeschaltet.

Hier geht es zur Anmeldung.


N E U : 19. Mai 2022      


Link oder Leben schaut auf das Wochenende.


Auf der Startseite ist die Helgoland-Homestory komplett.


Das Mittwochtraining steht in Laufen.


Schreiben vervollständigt die Bildergalerie.


Link oder Leben trainiert nach dem Marathon.


Laufen hat den Pressebericht zum Helgoland Marathon.


Link oder Leben hat die Vorschau auf den Helgoland Marathon.


Laufen freut sich auf den Hilskammlauf.


     

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.     




Tiefer als das Meer...


Freitag


Der Helgoland Marathon 2022 war ein ganz Besonderer. Jeder, der wie ich, die Geschichte des Laufes kennt, wusste das, seit die Strecke bekannt gegeben wurde. Der Lauf ist ohnehin schon nicht in die Kategorie „einfach“ einzusortieren. Doch in diesem Jahr wartete ein echter „Hammer“ auf die Läufer. Auf Grund von Bauarbeiten auf der Insel mussten die Marathonläufer acht Mal die Strecke des Minimarathons laufen. Also acht Mal den Düsenjäger hoch und acht Mal vom Leuchtturm zum Unterland runter. Na Mahlzeit, dachte ich da nur…


Als der Wecker am Freitag um 5 Uhr klingelt, denke ich allerdings gar nichts. Um diese Zeit bin ich zu keinerlei Gedanken fähig. 45 Minuten später steht Sigurd mit dem kleinen Bus vor der Tür. Melina ist schon da. Auch Silvia und Mario trudeln ein. Sabine wartet im Bus. Unsere herzliche Begrüßung ist noch nicht abgeschlossen, als der „Party-Bus“ vorfährt. Roman, Annike, Natascha sitzen im Spaßmobil. Ruven und Marco kommen ebenfalls an. Auch Gosja und Roman, die bei uns geschlafen haben, sind abreisebereit. Los geht es also.



Ich mag es, gefahren zu werden. Ich verkrümele mich ganz hinten im Bus und brauche nur ca. 5 Minuten, bis mir die Augen zufallen. Ich kann ja nicht viel, aber das kann ich. Als ich die Augen wieder aufmache, sind wir bereits in Bremen. Sehr schön.


Auf der Bahn finden wir, wie durch ein kleines Verkehrswunder, alle zusammen. Da sind Michael und Kerstin, und siehe da, da vorn fährt Besi. So rauschen wir alle zusammen in den Fährhafen Cuxhaven. Wir haben noch reichlich Zeit im Gepäck und können die Schiffsreise in aller Ruhe antreten. Die „Helgoland“ liegt bereits am Kai.


Wir fahren ja nicht das erste Mal auf meine Sehnsuchtsinsel. Und die Überfahrt, die ist wie immer. Kaum sitzen wir draußen auf dem Oberdeck, gehen Taschen und Rucksäcke auf. Tupperdosen, Tüten und Beutel landen auf den Tischen. Dann braucht man nur noch zugreifen. Mettwurstbrötchen, Schinkenbrot, Käsehappen, Weintrauben, Äpfel, Kuchen, Kekse, Schokolade. Es fühlt sich ein bisschen wie im Paradies an. Essen ist toll. Jan albert nebenbei an seinem Laptop herum. Ich denke: Was macht der da? Als ich höre, dass er arbeitet, also so eine Art „Ship-Office“, bin ich platt. Die Zeiten haben sich echt geändert.



Auf hoher See zieht Nebel auf und treibt uns unter Deck. Dort macht der ein oder andere noch mal die Augen zu. Zweieinhalb Stunden dauert die Fahrt, dann setzen wir unsere Läuferfüße auf Helgoland. Die Spiele können beginnen.


Während die anderen in die Jugendherberge einziehen, beziehen Silvia, Sabine, Kathrin, Mario, Sigurd und ich unsere Wohnung. Wir bleiben nämlich länger. Die Wohnung ist ein Traum. Einfach nur schön. Die Klamotten werden ausgepackt und dann ist Streckenbesichtigung angesagt. Wir treffen uns an der Nordseehalle und nehmen als erstes den Düsenjäger in Angriff. Wir haben viel über diesen kurzen, aber heftigen Anstieg gesprochen. Doch als wir ihn jetzt hinaufstiefeln merke ich, dass sich Respekt in meiner Laufgruppe breit macht. Sehr gut. Als wir mit der Runde übers Oberland und vom Leuchtturm herunter fertig sind, weiß jeder, was ihn Morgen erwartet. Die unbeschwerte Vorfreude auf den Lauf ist jetzt etwas gedämpft und genau das wird dafür sorgen, dass Morgen niemand große Fehler macht. Da bin ich mir sicher.



Anschließend holen wir die Startnummern ab. Wir treffen den Marathon-Moderator Volker Krajenski und quatschen ein bisschen. Er ist traurig, dass Roman nicht starten kann. Unser polnischer Freund war hier schon Zweiter und ist leider verletzt. Ihm, Sabine und Ruven ist in der Halle deutlich anzumerken, wie gerne sie hier gelaufen wären und wie unglücklich sie darüber sind, auf Grund von Verletzungen und Krankheit nicht starten zu können. Ich kann das sehr gut nachfühlen. Zum Abschluss frage ich Volker, ob er schon eine Prognose abgeben kann, wer Morgen gewinnt. Er orakelt, dass er sich bei den Männern sicher ist, doch bei den Frauen überhaupt keine Ahnung hat. Das hört sich für meine Ohren nicht schlecht an.


Das Abendessen in der Jugendherberge steht unter dem Motto: „Was man vor einem Marathon auf gar keinen Fall essen sollte!“ Fertiger Kartoffelsalat, der zuvor in Majonaise ersäuft wurde, landet neben einem undefinierbaren braunen Klumpen, der später als Fischbullette identifiziert werden sollte, auf dem Teller. Sieht scheiße aus und schmeckt auch so. Na ja, mir macht das wenig. Ich denke in diesem Moment an den Spruch meines alten Freundes Supermario: „Das ist nur Treibstoff für die Maschine. Wie das aussieht oder schmeckt ist völlig egal. Nur die Kalorien zählen.“ Warum nicht? Ich hole mir zwei Mal Nachschlag.


Am Abend muss ich dann erleben, wie bitter es sein kann, der einzige Läufer am Tisch der Ferienwohnung zu sein. Während die anderen Wein, Sekt und Whisky trinken, nuckele ich ein alkoholfreies Bier weg. Was tut man nicht alles für einen Marathon!



Samstag


Frühstück in der Jugendherberge. Ich schaue mich um und bin erstaunt. Unsere Gruppe ist gerade dabei sich völlig neu zu finden. Mit Melina, Natascha, Annike, Jan, Roman und Marco sind Charaktere zu uns gestoßen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Was sie alle eint: Sie passen hervorragend in diesen leicht angestaubten „alten Haufen.“ Wieso das so ist, weiß ich  nicht. Aber ich fühle es. Diese Typen haben vor allem eins: Fast immer gute Laune. Doch das ist heute Morgen ein bisschen anders. Sie sind angespannt! Das lässt sich nicht übersehen. Die Brötchen und Beilagen sind okay. Beim Frühstück kann man nicht all zu viel verkehrt machen. Jetzt nur noch ein wenig warten und die Anspannung meiner Mitläufer wird sich in Konzentration und Wettkampffreude verwandeln. Ganz sicher…


Als wir zu unserer Wohnung zurückgehen nieselt es leicht. Ich spüre, dass mein Kopf noch nicht an der Startlinie steht. Ich merke, dass ich nicht mehr das alte Feuer vor einem Marathonlauf in mir spüre, aber so ganz löschen lässt sich das natürlich nicht. Ich überlege, was ich anziehe. Wir haben 10 Grad, keinen Wind und auf dem Oberland ist es neblig. Krempelwetter! Langes Shirt, dreiviertel lange Hose. Das passt.


Die Mini-Marathonis sind gestartet. Besi und seine Truppe stürmen die Insel. Wir stehen am Start und jubeln um die Wette.


Dann geht es ganz schnell. Das obligatorische Startfoto wird geschossen. Wir Läufer nehmen uns alle noch einmal in den Arm und wünschen uns Glück, dann gibt Oke, der Organisator des Laufs, den Startschuss. Von nun an ist Schluss mit Lustig. Jetzt wird gearbeitet.



Na ja, so richtig Arbeit ist das nicht. Für mich ist es am Anfang erst einmal eine große Freude zu sehen, dass Jan und Marco vor uns nicht wie die Bescheuerten loslaufen. Sollten die Beiden sich die Worte des Trainers zu Herzen genommen haben? Das wäre schön. Ich laufe mit Melina und Annike zusammen. Ich gehe davon aus, dass wir uns trennen werden, aber die erste Runde sollte zusammen klappen. Wie es hinter uns aussieht, weiß ich nicht, aber unsere mitgereisten Unterstützer werden mir das während des Rennens immer wieder berichten können. Die Anfeuerung unserer Freunde tut wahnsinnig gut. Auf dem kühlen Oberland, das heute in dichten Nebel gehüllt ist, wärmt jeder Zuruf und jedes Klatschen. Immer wenn ich Sabine passiere, habe ich allerdings das Gefühl, die Luft um sie herum brennt. Wo nimmt diese Frau, selbst „nur“ beim Anfeuern, diese Energie her?



Nach drei Runden löst sich unser Trio in Wohlgefallen auf. Melina zieht davon, Annike und ich drosseln ein wenig das Tempo. Ich weiß, dass das genau die richtige Taktik ist. Mittlerweile weiß ich, dass auch Natascha, Messer und Roman gut unterwegs sind. In Runde vier fällt Annike etwas weiter zurück und ich bin allein.


Ich fühle mich gut und die Zeiten stimmen, als ich in Runde 5 von meinem M60 – Mitläufer Michel überholt werde. Hmmm…der war bei den letzten Läufen auf Helgoland immer zwei, drei Minuten nach mir im Ziel. Jetzt huscht er an mir vorbei. Wir wechseln ein paar freundliche Worte und weg ist er. Ich überlege, ob ich versuchen sollte zu folgen, lasse das aber sein. Meine eigene Taktik ist mir wichtiger als jetzt Fehler zu begehen. Die siebte Runde sieht mich am Düsenjäger ziemlich in den Seilen hängend. Verdammt, geht das steil hoch. Michel ist jetzt locker 200 Meter vor mir.


Die letzte Runde auf Helgoland sollte immer „meine“ sein. So ist jedenfalls die Taktik. Ich versuche stets, diese Runde nicht die Langsamste des Rennens werden zu lassen. Das klappt auch heute. Als ich am Anfang der letzten Runde sehe, dass Michel sich nach mir umdreht, wittere ich Morgenluft. Ich schließe auf und am Düsenjäger ziehe ich vorbei. Das fühlt sich gut an. Auf den letzten Kilometern kann ich locker und schnell wegziehen und gewinne meine Altersklasse. Ich freue mich für mich, aber auch für die anderen Lauftreff Läufer. Ich weiß nämlich schon, dass die allesamt gut  unterwegs sind.


Im Ziel sind erst einmal reichlich Umärmelungen angesagt. Als erste schnappe ich mir Melina. Sie hat den Lauf gewonnen. Wahnsinn! Dann kommt Michel ins Ziel. Der ist als nächster dran. Danach greife ich mir jeden, der von uns im Ziel herumsteht. Und das sind nicht wenige. Allesamt strahlen sie wie die Honigkuchenpferde. Dieser Lauf war, und ist noch immer, ein voller Erfolg für uns. Jetzt kommt auch Annike ins Ziel. Sie war nur drei Minuten hinter mir. Platz 2 bei den Frauen. Ganz großes Kino! Natascha, Messer und Roman sind noch unterwegs, als ich aufbreche, um mir eine Massage abzuholen. Ich habe mir meine Achillessehne ramponiert und will so schnell wie möglich gegensteuern. Die restlichen Läufer werde ich danach abfeiern.



Natürlich sind sie alle gut ins Ziel gekommen. Natascha und Messer haben sich ihr Rennen brillant eingeteilt. Roman hat einfach sein Ding gemacht. Klasse! Ich liege auf der Pritsche, während meine Beine von einer Physiotherapeutin bearbeitet werden. Als die Sehne unter die Finger meiner Wohltäterin gerät, spüre ich das schmerzhaft. „Mmmh…“ sagt sie. „Da müssen sie aufpassen. Die Sehne ist geschwollen und braucht Ruhe.“ Ich sage ihr, dass genau das mein Plan für die nächsten Wochen ist.


Eine gute Stunde später treffen wir uns an der Nordseehalle bei Kaffee und Kuchen. Und natürlich einem Bier. Corona hat dafür gesorgt, dass keine Tische und Stühle draußen stehen. Die brauchen wir aber auch nicht. Mit den Typen dieser Laufgruppe kann man auch auf dem Rasen sitzen. Nach und nach trudeln alle ein und berichten von ihren „Heldentaten“ auf der Laufstrecke. Ich liebe diese Momente über alles. Ich höre mir jedes Wort an und freue mich über das Glitzern in den Augen der Erzähler. Jan berichtet, wie er und Marco das Feld von hinten aufgerollt haben. Alle waren ziemlich am Ende, als die beiden wie ein Messer durch die Butter gingen. Auch Natascha ist noch immer auf Puls. Sie hat einen tollen Lauf gezeigt. Melina und Annike schweben ohnehin auf Wolke Sieben. Messer ist anzumerken, wie sehr er sich über den Lauf freut und Roman, na der ist irgendwie noch zwei Stockwerke über Wolke Sieben. Am Ende unseres Sit-Ins mache ich etwas, mit dem ich sonst eher sparsam umgehe. Ich spreche ein dickes, fettes Lob für die gesamte Gruppe aus. Was dieses Team heute geleistet hat, war außergewöhnlich.


Siegerehrung ist angesagt. Wie immer nach dem Helgoland Marathon ist die Nordseehalle bis auf den letzten Platz gefüllt. Auf einer Videoleinwand laufen die Bilder des Wettkampfs. Gegenüber stehen Pokale und Geschenke. Als es losgeht, freue ich mich schon darauf, die Bühne zu betreten. Ich habe schon oft dort oben gestanden, doch es ist immer wieder schön. Als Erster darf heute Silas nach oben. Er ist beim Minimarathon Dritter geworden. Einen Platz vor seinem Vater. Das wird beide mit Stolz erfüllen. Danach beginnen die Delligser Lauftreff-Festspiele. Melina und Annike dürfen drei Mal nach oben. Gesamtsieg(und Platz 2), Altersklassensieg(und Platz 2), Mannschaftssieg. Natascha, Marco, Jan und ich gehen zwei Mal nach oben. Messer ist ein Mal oben dabei. Es hagelt Trophäen. Als ich meine Mädels und Jungs da oben sehe, bin ich ziemlich happy. Ich denke an viele, viele Trainingskilometer, noch mehr Gespräche, teilweise elende Anstrengungen und jetzt wird dafür die Ernte eingefahren. Man tut etwas und bekommt etwas dafür. Wenn es im Leben doch immer so wäre.



Bei der anschließenden Party sind wir schnell weg. Das selbst meinen Youngstern, die für jede Art von Party zu haben sind, die Musik nicht gefällt, sagt einiges über deren Qualität aus. Wir „Alten“ sitzen bereits in der Bücherei der Jugendherberge. Für mich der schönste Ort auf der ganzen Insel. Die erste Whiskyflasche ist geöffnet und die Sonne bereits ins Meer geplumpst. Nach und nach stoßen die anderen zu uns. Es wird leider viel  zu voll in dem kleinen Raum und wir teilen uns auf. Der guten Laune tut das keinen Abbruch. Annike und Natascha wollen einen Whisky probieren. Natascha muss letztendlich beide Gläser trinken. Bei Wein, Sekt und Bier sitzen wir anschließend bis um Mitternacht. Wir machen uns auf den Weg zu unserer Wohnung, der Rest zieht noch bis um 2 Uhr Morgens durch. Sie haben es sich verdient.


Auf mich wartet am Eingang der Jugendherberge noch ein ganz besonderes Geschenk. Ein Bekannter, aus dem weiteren Umfeld der Laufgruppe, spricht mich an: „Ihr seid ein tolles Team. Nicht nur läuferisch, auch menschlich. Bewahrt euch das.“ Da hat er eine ganz tiefe Überzeugung von mir ausgesprochen. Aber wie gut tut das, diese Einschätzung auch von einem anderen Menschen zu hören. Beseelt, und gar nicht mal so sehr betrunken, mache ich mich auf den Heimweg.

Sonntag


Das Frühstück in der Jugendherberge sieht erstaunlicherweise alle an Bord. Und die sehen nicht mal schlecht aus. Das Feuer, das am gestrigen Abend in den Augen meiner Läufer brannte, ist noch immer nicht verglüht. Jeder weiß, was er gestern geleistet hat. Jeder genießt noch immer den Erfolg.


Wir haben uns vorgenommen auf die Düne zu fahren. Das Wetter ist geradezu mediterran sonnig. Die See schwappt ein bisschen hoch und runter und wir haben das Glück nicht mit der Dünenfähre, sondern einem Börteboot zu fahren. Auf der Überfahrt ist gerade eine wunderbare Ruhe eingekehrt. Ich höre nur die Wellen gegen das Boot schlagen und die Möwenschreie in der Luft. Dann ist da urplötzlich Annikes Stimme: „Hallo Roman. Jetzt wo gerade sowieso nichts los ist, da mach doch mal ein Foto von uns.“ Gesagt getan hat Roman Annikes Handy in der Hand und schießt von Annike, Melina und Natascha ein Foto. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich denke, an diesen „Instagram-Zirkus“ werde ich mich noch irgendwie gewöhnen müssen.



Auf der Düne erwartet uns ein Schauspiel, das man nur auf Helgoland genießen kann. Ein paar Hundert Robben chillen entspannt am Strand, während wir wie die Bescheuerten fotografieren. Supermario ist sofort auf der Suche nach Steinen. Damit hat er mich in mehr als einem Dänemark-Urlaub schier in den Wahnsinn getrieben. Wir rennen barfuss durch den Sand, genießen jeden Sonnenstrahl auf der Haut und haben genügend Zeit darüber zu reden, wie gut wir uns fühlen. Nachdem wir die Düne einmal umlaufen haben, geht es mit der Fähre zurück und die Sachen für die Heimfahrt werden gepackt. Ich gehe in die Wohnung und treffe auf dem Weg dorthin Gosja und Roman, die sich einen Cappuccino gönnen.



Ich habe mich eine Stunde aufs Ohr gehauen und gehe zur Verabschiedung der Gruppe, die heute wieder zurück fährt. Auf dem Invasorenpfad habe ich den ganzen Trupp vor mir. Ich schleiche mich von hinten an und beobachte die Kommunikation und die Körpersprache in dem wilden Haufen. Da scheint alles bestens zu laufen. Dann habe ich aufgeschlossen und zusammen gehen wir zum Schiff. Vor dem Abschied sind noch Umarmungen angesagt. Es war verdammt schön, unseren Läufern diese Insel zu zeigen. Sie haben sich mit einer tollen Leistung und jeder Menge wunderbarer Momente bedankt. Was will man mehr. Wir, die wir noch ein paar Tage bleiben, winken den anderen an Bord zu. Dann trennen sich unsere Wege. Ich hoffe schon jetzt darauf, dass wir im nächsten Jahr wieder hier starten werden.



Das war sie also, die Helgoland Home Story. Doch es sind ja noch Tausend Sachen passiert, die ich alle gar nicht in so einer kurzen Geschichte unterbekomme. Deshalb gibt es hier zum Schluss noch ein paar kleine Bonmots, die auf jeden Fall erwähnt werden sollten. Also, was war denn da sonst noch?


Der „Rollator-Mann.“ Er ist jedes Mal beim Marathon dabei und legt die 42.195 Kilometer mit einem Rollator zurück. In diesem Jahr war er nach 8 Stunden durch. Er genießt unsere absolute Hochachtung.



Die „grüne Gruppe.“ Die sind auch jedes Jahr da. Laufen ist nicht so ihr Ding, aber beim Vernichten von alkoholischen Getränken, wäre das ein Wettkampf, wären die ganz weit vorn dabei.


Als Roman seinen ersten Marathon in Angriff nahm, fand er einen Begleiter, mit dem er zusammen lief. Der ältere, erfahrene Läufer sagte sinngemäß zu Roman: „Wir können zusammen laufen. Aber du läufst nicht vor mir. Das kann ich nicht ab.“


Michel lief vor mir urplötzlich an eine alte Rettungsboje am Streckenrand und ich dachte: Will der jetzt hier auf offener Pläne pinkeln? Doch weit gefehlt. Der Fuchs hatte dort Gel-Riegel versteckt.


Natascha zog einen „Harem“ von fünf Männern hinter sich her. Jedenfalls am Anfang des Rennens. Bis ins Ziel schüttelte sie alle ab.


Marco und Jan fanden einen Begleiter, der schon öfter auf Helgoland gelaufen war und sich seiner Form ziemlich sicher war. Er sagte zu den Beiden: „Haltet Euch an mich! Dann kann nichts schiefgehen.“ Leider ging das nicht, weil er, nachdem Marco und Jan ihn stehen gelassen haben, ausgeschieden ist.


Mehr als einmal dachte ich: Gegen Sabine ist ein Duracell-Häschen ein Zeitlupen-Honk. Als wir schwimmen waren und sie ihre Runden abriss, zwischendurch zu Mario und mir(die wir auf Liegestühlen faulenzten) angerannt kam und sofort wieder im Sauseschritt im Wasser verschwand, war mir klar: Die Frau verbraucht während des Schwimmbad-Aufenthaltes mehr Kalorien als ich am ganzen Wochenende.


Marcos Gesichtsausdruck während verschiedener Momente des Wochenendes zeigte mir: Es gibt sie noch, die stillen Genießer.


Natascha und gute Laune sind anscheinend allerbeste Freunde. Unvergessen, als sie während des Marathon an Sigurd vorbeiläuft und ruft: „He Sigurd, Altes Haus!“


Jan und Marco im Ziel so voller Zufriedenheit. Ich wusste genau, was sie denken. Nach all den schlauen Sprüchen, die der Trainer in den Wochen vorher gemacht hat, haben wir es ihm heute so richtig gezeigt. Stimmt übrigens. Die Beiden ahnen nicht, wie sehr ich das provoziert und erhofft habe.


Zwei Sätze während dieses Wochenendes werde ich nie vergessen. Allein aus dem Grund weil ich sie so oft gehört habe. Immer aus dem Mund von Sabine: a) „Mir ist kalt.“ b) „Wann gibt es ENDLICH was zu essen?“



Am Ende geht es mir auf Helgoland so wie immer: Ich betrete die Insel und habe sofort Klaus Hoffmanns Lied „Eine Insel“ im Kopf. Ich glaube nicht, dass Hoffmann dieses Lied für Helgoland geschrieben hat. Doch in meinem Kopf sind Lied und Insel untrennbar miteinander verbunden. Wie heißt es da so schön:


Eine Insel im Meer, so stark in meinen Träumen, wie sehn ich mich nach ihr, nach einem festen Platz. Mein Eiland, mein Schutz, meine Liebe zu ihr, bleibt ungenannt und tiefer als das Meer…


Klaus Hoffmann



Thomas Knackstedt



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