N E U : 18. Januar 2018      


Laufen bringt Teil 3 des Vorbereitungsplans für Hannover.


Das Mittwochtraining steht in Link oder Leben.


Laufen bringt den Rest der Winterlaufserie.


In Schreiben geht es ums Geld.


Den Pressebericht zur Winterlaufserie gibt es in Laufen.


Entscheidung in Holzminden. Mehr in Link oder Leben.


Die Startseite hat eine neue Geschichte.


Den Laufsonntag gibt es in Link oder Leben.


      

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.  
 



Hass

 

Die Unterlippe zittert, die Hände sind verkrampft und urplötzlich verlassen seltsame knurrende Geräusche den Hals meines Gegenübers. Er selbst merkt nichts davon, ist so gespannt wie eine Bogensehne, die kurz vorm Zerreißen steht. Ich sehe ihn an und bleibe ruhig. Ich weiß aus Dutzenden von Durchsuchungen, dass Andi den jungen Burschen, der eigentlich gar nichts mit unserer Maßnahme zu tun hat, genau im Auge behält. Hier ist jetzt alles möglich. Ich habe dem jungen Mann gerade eine Ansage gemacht, die er verstanden hat. Entweder er benimmt sich, oder er bekommt Handschellen verpasst. Ich finde es zum Kotzen, dass ich damit kommen muss, damit ich eine 08/15 Maßnahme durchführen kann. Denn mehr ist das hier für uns nicht.

 

Jugendliche, die organisiert Drogen verkaufen, mögen vor dreißig Jahren eine Sensation gewesen sein, heute ist das Alltag in jeder Kleinstadt des Landes. Die Verfügbarkeit von Drogen ist allgegenwärtig. Wir Erwachsenen machen den Kindern vor, dass wir für alle Lebenssituationen einen Krückstock brauchen. Egal, ob das ein Joint, ein Bier, ein Smartphone, ein Medikament oder ein Psychiater ist. Nur irgend etwas oder jemand, der uns von uns selbst und dem Leben ablenkt. Das hat sich eigentlich nie verändert, unsere Techniken es zu meistern allerdings schon.

 

Natürlich fliegen diese Straßengeschäfte irgendwann auf. Ein kleiner Junkie wird mit ein paar Gramm geschnappt und erzählt, woher er den Stoff hat. Wir besorgen uns einen Durchsuchungsbeschluss und fliegen ein paar Wochen später ein. Es finden sich ein paar Drogen und ein Handy voller Kunden. Mit ein bisschen Glück sind auch Nachrichten vorhanden, die uns zeigen, wo unser kleiner Dealer seinen Stoff besorgt. Dann klettern wir auf der Leiter einen Schritt nach oben. Es folgen weitere Durchsuchungen, weitere Aussagen, weitere Chatsprotokolle, und…und…und…

 

Viele unserer „Schäfchen“ gehen mit der Polizei so professionell um, wie wir das mit ihnen machen. Wir machen unseren Job und müssen einschreiten. Wir werden nie persönlich und freuen uns schon gar nicht, wenn wir, was selten vorkommt, einen dicken Fisch an der Angel haben. Bei meiner Arbeit persönlich zu werden, ist der schlimmste Fehltritt den man sich erlauben kann. Auch wenn wir mit Typen zu tun haben, die jede Menge Leid über andere bringen, so sind es noch immer Menschen. So müssen wir mit ihnen umgehen. Wir brauchen weder tolerant noch mitfühlend sein, nur korrekt. Doch genau das fällt oft unglaublich schwer. Denn es gibt Menschen, die so persönlich werden können, dass es weh tut.

 

Andi und ich haben einen Vorteil, der zugleich auch unser Nachteil ist. Wir sind in der Regel 35 bis 40 Jahre älter als unsere „Kundschaft.“ Vierzig Jahre Polizeiarbeit verschaffen einem eine komplett andere Sicht auf die Dinge des Lebens. Wir wissen, dass wir uns meistens mit Kleinkram beschäftigen. Ein paar Gramm hier, ein paar Drohungen dort. Nicht in Ordnung, aber keine Schwerstkriminalität. Vor allem bei Jugendlichen und Kindern sind wir oft mehr Erzieher oder Ratgeber als Ermittler.

 

Heute läuft das nicht. Im Gegenteil Schon beim Öffnen der Tür steigt der Puls bei unserem Gegenüber auf lockere 200 Schläge. Der junge Mann, den wir eigentlich mit unserer Anwesenheit überraschen wollen, ist nicht da. Lediglich sein Vater, der kaum ein Wort deutsch spricht und sein Cousin, dessen Vokabular sich sehr schnell auf die Worte „verschwindet, lächerlich, ihr könnt uns gar nichts, Schwachsinn“ einschießt. Wir haben das schon Hundert Mal erlebt. Alles nichts Neues.

 

Wir kennen auch diesen jungen Mann, obwohl wir heute gar nichts von ihm wollen. Er ist noch jugendlich, hat allerdings ein Vorstrafenregister, das jedem alten Ganoven zur Ehre gereichen würde. Ein Ritt kreuz und quer durchs Strafgesetzbuch, vor allem Gewalt- und Drogendelikte. Wäre er ein paar Jahre älter, säße er bereits im Gefängnis, so viel ist sicher.

 

Ich drücke ihm den Durchsuchungsbeschluss in die Hand und frage ihn, wo das Zimmer seines Cousins sei. Er blafft mich nur an, was der Scheiß solle und geht nicht auf mich ein. Erst als ich ihm eröffne, dass ich eigentlich nur in das Zimmer will, aber auch das ganze Hause auf den Kopf stellen kann, geht er uns widerwillig voraus. Dabei bezeichnet er Peter, der uns heute begleitet, als Hampelmann und Witzfigur. Das bringt meinen Puls dann doch ein paar Schläge höher. Ich bleibe vor dem jungen Mann stehen und er bekommt die Ansage, dass er es nicht übertreiben soll. Wenn er hier stört, werden wir das kompromisslos unterbinden. Er scheint zu verstehen.

 

Das Zimmer unserer Zielperson ist, gelinde gesagt, eine überschaubare Müllhalde. Ein Fernseher mit Großbildschirm, davon gibt es übrigens eine ganze Hand voll im Haus, eine dreckige Matratze auf dem Fußboden und jede Menge Müll auf dem Boden. Das war es dann auch schon. Hier werden wir uns nicht lange aufhalten müssen.

 

Als Peter und ich das Zimmer durchsuchen, deckt uns der junge Mann mit einer regelrechten Salve von Provokationen ein. „Fühlt ihr euch toll dabei? Seit ihr die Tollsten? Da geht euch bestimmt einer ab, oder?“ Ich habe keine Ahnung, warum diesen jungen, gescheiterten Typen nie etwas Neues einfällt. Ist das alles, was sie auf Tasche haben? Plumpe Provokation ohne Klasse und Stil? Völlig beschränkt in ihrer Dumpfheit und Konformität. Ich mache das, was ich immer in solchen Momenten mache. Ich sage gar nichts. Das bringt den jungen Mann aber erst richtig auf Touren.

 

Als ich ein Handy in die Beschlagnahmetüte packe, hopst er auf einmal vor mir herum, als ob er mich anspringen will. Er ist komplett angespannt und schreit mich an, wieso ich das mitnehmen. Während er spricht, gibt er urplötzlich völlig unkontrollierte Laute von sich und zittert wie Espenlaub. Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass Andi einen Schritt näher kommt. Er weiß, genau wie ich, dass wir hier haarscharf vor einem Widerstand stehen.



Ich verweise nur kurz auf den Gerichtsbeschluss. Da steht das Handy drauf, also kommt es mit. Dann frage ich den jungen Mann, ob er irgendwelche gesundheitlichen Probleme hat. Das kapiert er nicht und blafft mich an: „Wie kommst du denn darauf?“ Ich erwidere, dass diese komischen Geräusche von ihm und dieses heftige Zittern mir schon ein bisschen Angst machen. Er bleibt stumm, aber wenn Blicke töten könnten, wäre ich jetzt, genau in dieser Sekunde, am Ende meines Lebens angekommen.

 

Der junge Mann entspannt sich nicht, macht aber auch keinen Blödsinn. Als ich ihm in die Augen sehe, erkenne ich dort abgrundtiefen Hass. Ein Hass gegen einen Menschen, den er überhaupt nicht kennt und eine Polizei, deren Existenz für ihn nicht nachvollziehbar ist. Ich bin es gewohnt, dass man mich nicht mag, aber das hier ist etwas völlig anderes. Hier ist jegliche Zivilisationshaut, egal wie dünn sie auch sein mag, verschwunden. Hier regiert die pure Emotion, die unberechenbar und logisch nicht mehr nachvollziehbar ist. Da brennt ein Feuer, das nicht wärmen, sondern nur vernichten will.

 

Am Ende der Durchsuchung ist die Spannung noch immer greifbar. Ich fülle das Durchsuchungsprotokoll aus und der junge Mann kommentiert das mit den Sätzen: „Geht das nicht schneller? Wie langsam bist du denn?“ Ich habe in diesem Moment nur meine Gedanken. Ich weiß, dass der junge Mann weder einen Schulabschluss hat, noch den geringsten Eigenantrieb, das nachzuholen. Ich könnte ihn fragen, ob er für mich schreiben will. Wer weiß, vielleicht bekommt er das schneller hin. Doch ich vermute, das ist nicht der Fall. Doch ich lasse das. Wenn einer provoziert, reicht das völlig aus.

 

Mittlerweile hat der junge Mann auch den Vater unserer Zielperson mit ein paar arabischen Sätzen angestachelt und der Mann macht uns gegenüber provozierende Gesten, zieht Grimassen und zeigt uns den Daumen nach oben mit einem hämischen Grinsen. Könnte ich arabisch, würde ich ihm sagen, wie armselig mir das vorkommt. Aber da ich das nicht kann, halte ich einfach den Mund und gehe.

 

Zehn Minuten später sitzen wir im Auto und sind auf der Rückfahrt. Andi und Peter reden über das Auftrten des jungen Mannes und sind noch immer schockiert von diesem Hass und dieser blindwütigen Schwarz-Weiß Mentalität. Wir erleben das zwar oft, aber in dieser Intensität von heute nur selten. Die Tatsache, dass es sich um einen Mann mit Migrationshintergrund handelt, macht es nicht besser. Ich bewerte nur Verhalten, niemals Herkunft. Das einige meiner Kollegen da manchmal etwas undifferenzierter sind, finde ich nicht gut, aber ich kann es verstehen. Wenn man wie der letzte Dreck behandelt wird, hat man wenig Verständnis für sein Gegenüber. Das gilt übrigens für beide Seiten.

 

Ich bin allerdings noch nicht so weit, mir selbst die Schuld in die Schuhe zu schieben. Unser Einschreiten heute war korrekt, nach den Buchstaben des Gesetzes, ohne Spitzen und mit allen Angeboten zur Kommunikation. Nichts davon hat genutzt. Wir waren die Bullenschweine, nicht mehr als dumme Viecher und Idioten.

 

Ich bin mir ganz sicher. Würden mir zu diesem Thema nicht Hunderte von Gedanken durch den Kopf gehen, ich wäre gefährdet bei der nächsten Wahl eine rechte Partei zu wählen. Das ist mir noch nie passiert, aber Erlebnisse wie heute machen es einem nicht leichter. Ich weiß genau, dass das heute nicht die Regel war, sondern eher die Ausnahme. Aber auch Ausnahmen hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Vor allem aber: Es werden mehr. Wir müssen klare Antworten finden, um den Menschen zu begegnen, die das Leben, so wie wir es leben wollen, komplett ablehnen. Für die Anarchie ein erstrebenswertes Ziel ist, oder zumindest die bessere Alternative zu einem Rechtsstaat. Für die Rache und Hass probate Mittel zur Problemlösung sind und die einem blutdürstigen Gott hinterherlaufen, den sie sich selbst erfunden haben. Die Frauen nicht besser als Hunde behandeln und Menschen, die nicht ihrer Meinung sind, den Tod wünschen. Wenn wir uns gegenüber dieser kleinen Minderheit von Menschen, die wir nicht integrieren können, nicht mit klarer Kante, kompromisslos und aufrecht entgegen stellen, werden wir es in naher Zukunft bereuen.   

 

Ich weiß nicht, wie ein junger Mensch derart hasserfüllt werden kann. Aber ich weiß, dass so ein Mensch wie eine Zeitbombe ist. Wenn der richtige Anleiter kommt, der ihn für seine Zwecke missbrauchen will, ist der Boden für eine reiche Ernte von Hass und Zerstörung gesät. Ich habe keine Ahnung, wie wir diese Entwicklung stoppen können, aber wir müssen schnell damit beginnen genau diese Lösung zu suchen…


 

Thomas Knackstedt     


 

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