N E U : 19. Februar 2018      


Das Jahr 2000 gibt es in Laufen.


Laufen bringt den Sonntag.


Link oder Leben wandert.


Die Startseite hat eine neue Geschichte.


Link oder Leben hat das Mittwochtraining.


In Link oder Leben gibt es einen Filmtipp.


Jörn und Jogi waren am Start. Mehr dazu in Laufen.


Schreiben hat eine neue Geschichte für Euch.


      

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.  
 



Maybachufer
 


Die Sonne steht an einem blauen Himmel und ein freundlicher Wind weht mir direkt ins Gesicht. Ich ziehe mir den Schirm der Mütze etwas tiefer über die Augen, um nicht geblendet zu werden. Es gibt eine Menge zu sehen und ich will mir nichts davon entgehen lassen.

 

Die Pfade an den Ufern der Kanäle sind zum Schlender-Mittelpunkt der Metropole geworden. Sobald sich die eisigen Winde nach Norden verzogen und die Regenwolken ins Nichts verkrümelt haben, pulsiert hier das tägliche Leben der Stadt. Kein Wunder. Wer latscht schon über eine Straße oder einen Fußweg, wenn einen dort Tausende Autos mit Abgasen bedampfen und hektische Verkehrsteilnehmer klingelnd, hupend und schreiend um einen herum geistern. Noch sind die Menschen nicht komplett verrückt. Selbst in Berlin nicht.

 

Ich nehme die Parkbank auf zwei Uhr in den Fokus. Zwei dunkelhäutige Rastafa sind gerade dabei sich eine Tüte zu bauen. Zwischen ihnen steht ein Ghettoblaster aus dem, ja ich kann es wirklich kaum glauben, Bob Marleys -No Woman No Cry- dringt. Mehr Klischee geht nicht, aber irgendwie passt es auch. Ich nicke den beiden jungen Männern zu, die mich freundlich anlächeln. Wüssten die, was ich beruflich mache, würde sich das breite Lachen sehr schnell in schmales Entsetzen verändern.

 

Unter meinen Sohlen ist weder Pflaster noch Asphalt. Die Schotterwege entlang des Landwehrkanals sind bei Regen eine harte Prüfung. Heute sind sie einfach schön zu gehen. Das bemerke ich auch bei der Kleiderwahl eines entgegenkommenden Hippie-Pärchens. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas heute noch gibt. Sie sieht aus wie eines der Blumenkinder aus den 70ern und er hat ein bisschen was von Rasputin im Schlafanzug. Beide sind barfuss. Das lässt sich heute prima gehen, man muss nur auf die Glasscherben achten. Irgendein Idiot zerdeppert immer irgendwo eine Flasche.

 

Direkt hinter den beiden Liebenden wackelt eine Kompaktoma, Modell Wirtschaftswunder. Die kleine, rundliche Frau hat zwei Einkaufstüten in der einen und eine Hundeleine in der anderen Hand. An deren Ende befindet sich ein brauner Rauhaardackel, der seinen Kopf majestätisch in den Himmel reckt. Ein kleiner Macho, vermute ich mal.

 

Links von mir bemerke ich eine Gruppe junger Spanier, die über das Geländer zum Kanal geklettert sind und sich um eine junge Frau versammelt haben, die Gitarre spielt. Das ist schön. Ich hoffe, jeder der Gruppe genießt diesen Moment und verpasst ihm einen Ehrenplatz im Speicher seiner Erinnerungen. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht, gegen das ich mich nicht wehren kann.


 

In Nähe der neuen „Brotfabrik“, was eher ein hochtreibender Name für ein kleines Geschäft ist, in dem Anwohner versuchen, sich mit dem Backen von frischem Brot ein Standbein zu schaffen, weht mir ein Duft um die Nase, der unwiderstehlich ist. Ich biege kurz ab, kaufe ein Brot und erhalte am Tresen noch eine Kostprobe der neuesten Backkreation. Das gefällt mir.

 

Wieder am Kanal werde ich mit dem Alltagsgesicht der Stadt konfrontiert. Ein Mann in meinem Alter liegt wie ein Sack Lumpen auf einer Parkbank. Er schläft oder ist tot, wer weiß das schon. Vor der Bank liegt eine leere Flasche Schnaps in einer Pfütze aus Erbrochenem. Die Passanten, und auch ich, passieren die Bank, als wäre sie nicht vorhanden. In den großen Metropolen ist für große Gefühle nicht viel Platz.

 

Am nächsten kleinen Seitenweg vertickt ein Dealer seinen Stoff. Sein Käufer ist ein Mädchen, das maximal 16 Jahre alt ist. Der Verkäufer selbst, mag ein oder zwei Jahre älter sein. Ich sehe, wie ein kleiner Klemmbeutel mit drei rosa Pillen gegen drei 5 Euro Scheine gewechselt wird. Ich könnte anhalten und den beiden erzählen, dass sie auf dem Holzweg sind. Der eine investiert in ein Geschäftsmodell, das sich vielleicht rentiert, aber hart und bitter macht. Die andere glaubt dem Leben mit Zusatzstoffen etwas abzugewinnen, was man in Wirklichkeit nur nüchtern genießen kann. Aber wer bin ich, dass ich anderen ihr Leben erkläre? Ich stecke die Hände in die Taschen meiner Hose und gehe mit einem Schuss Enttäuschung im Kopf weiter.

 

Ich erreiche den Boule-Platz und hocke mich auf die Ufermauer. Ich spiele selbst nicht und werde mir das ganz sicher auch nicht angewöhnen, aber ich schaue gern zu. Von außen auf das große Ganze zu schauen hat mich schon immer fasziniert. Auf diesem kleinen Carre am Kanal funktioniert etwas, das man nur an wenigen Orten auf der Welt hinbekommt. Junge und Alte, Schwarze und Weiße, Dicke und Dünne, Rechte und Linke, Muslime und Christen spielen friedlich und amüsiert zusammen. Das alles in einer Leichtigkeit, die einem nur das Spiel bescheren kann. Wäre das nicht ein gutes Beispiel für Tausende von Krisenherden auf der Welt?

 

Langsam aber sicher fangen mich die Geräusche des Straßenverkehrs wieder ein. Sie mischen sich als schräge Misstöne in das Schnattern der Enten, das Flügelschlagen der Schwäne und das Rauschen der Zweige im Wind.

 

Der kleine Fußwege am Kanal spuckt mich direkt an der Kottbusser Brücke aus. Von Null auf Hundert bin ich in der Großstadt. Ein hektisches Wuseln und Huschen um mich herum. Die meisten Gesichter, die mir jetzt begegnen, sind angespannt. In jeder zweiten Hand steckt ein Handy, an dem sein Besitzer herumdrückt. Ab und an rempelt mich ein vorbeieilender Fußgänger an, ohne das selbst zu bemerken. Die Idylle ist zerplatzt wie eine Seifenblase im Orkan.

 

Die Sonne steht noch immer an einem blauen Himmel. Doch jetzt scheint sie auf eine andere Welt. Ich ziehe mir den Schirm der Mütze noch etwas tiefer ins Gesicht, um mir das alles nicht anschauen zu müssen. Während ich über die Brücke schlendere sucht mein Blick noch einmal den Weg am Kanal. Es fühlt sich an, als würde ich an einem perfekten Nachthimmel zum Andromedanebel schauen. Sieht verdammt nah aus und ist doch so unendlich weit weg…   



Thomas Knackstedt 


 

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