N E U : 17. April 2019      


Laufen hat das Mittwochtraining.


Link oder Leben hat die Begegnung der dritten Art.


Auf der Startseite steht eine neue Geschichte.


Link oder Leben feiert Geburtstag.


Laufen hat den Langen Lauf in Weiß.


Link oder Leben nutzt die Zeit.


Schreiben präsentiert eine neue "alte" Geschichte.


Laufen hat weitere Hannover-Marathon-Fotos.


      

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.      




Kaputt


Ich bin seit 41 Jahren Polizist. Ich habe schon einiges gesehen und ein paar wirklich schreckliche Dinge erlebt. Aber für alles gibt es eine Premiere. Heute ist so ein Premierentag, und das bei einem völlig unspektakulären Einsatz. Jonathan, mein Praktikant, und ich kommen auf die Dienststelle und werden auf zwei kleine Mädchen aufmerksam, die im Vorraum der Wache herumspringen, als würden sie unter Strom stehen. Eines der beiden Mädchen kenne ich. Aber ich erkenne sie kaum wieder. Vor ein paar Wochen habe ich ihr einen Hausbesuch abgestattet, weil sie in der Schule einen Lehrer bedroht hat. Mit 14 Jahren! Ich habe den Besuch noch gut in Erinnerung. Das Mädchen machte auf mich den Eindruck einer Autistin. Sie sprach fast kein Wort, konnte mir nicht in die Augen sehen und schien komplett zurückgezogen und kommunikationsscheu. Davon ist heute nichts zu bemerken. Im Gegensatz zu dem zweiten Mädchen wirkt sie aber noch ruhig. Diese junge Dame ist so aufgekratzt wie nach einem Besuch auf einer Ecstasy-Party. Auf der Wache sitzt mein Kollege Uwe und schüttelt nur den Kopf.

 

„Ich drehe noch durch. Wie können zwei Kinder so einen Ärger machen?“ Uwe ist sauer. Als ich frage, was los ist, erklärt er mir den Sachverhalt. Die Mädels leben in einer Wohngruppe des Jugendamtes. Eigentlich sollten sie in der Schule sein. Dazu hatten sie aber keinen Bock. Lieber sind sie durch die Stadt geschlendert und haben mit dem Handy 30 Notrufe abgesetzt. Das war spaßig. Die Polizei durch die Stadt zu jagen und zuzuschauen. Wie dämlich die Bullen auch sein können. Am Ende setzten sie sich direkt vor die Dienststelle und rotzten die Treppenstufen voll; auch supercool. Dann schnappte sich Uwe die beiden und ordnete sie ziemlich schnell den Notrufen zu. Als erstes knöpfte er ihnen das Handy ab. Sehr schön.

Doch jetzt nerven die beiden wieder. Der Leiter der Jugendgruppe will sie nicht abholen und wir sollen sie wieder in die Schule bringen. Ich spreche die Mädels an, muss aber schnell feststellen, dass sie nicht meine Sprache sprechen. Sie lachen nur und machen Faxen. Ich schnappe mir das Mädchen, das ich schon kenne und gehe mit ihr in einen Nebenraum.

„Habt ihr irgendwas eingeworfen, oder was?“ frage ich sie. Sie lacht nur und sagt: „Nein.“ Ein Blick in ihre Augen bestätigt ihre Antwort. Auf meine Frage, was der Mist mit den Notrufen sollte, lacht sie mir entgegen: „War doch voll lustig.“ Okay, da sage ich nichts mehr. Ich gehe zu Uwe.

 

„Jonathan und ich fahren die beiden zur Schule. Da brauchst du nicht extra einen Streifenwagen reinholen.“ Zwei Minuten später sitzen wir mit den Mädchen im Zivilwagen. Die beiden gehen auf verschiedene Schulen.

 

Selten ist mir eine Autofahrt so auf den Keks gegangen wie in diesem Moment. Jonathan, der schon knapp zwei Monate bei mir ist, hat eigentlich ein feines Gespür für Menschen, die neben der Spur laufen. Wir haben mittlerweile sehr oft mit Menschen zu tun, die psychisch auffällig sind. Da durfte ich schon beobachten, dass mein junger Kollege ein Händchen für „schwierige Fälle“ hat. Doch heute hat er keine Chance. Als die kichernden Mädchen sich über jedes Geschäft, jede Person, jede Wolke am Himmel und jeden Hund am Straßenrand nicht mehr einkriegen, versucht er ein Gespräch. Die Antworten sind ernüchternd. „Scheißbullen, Hurensöhne, Lass mich in Ruhe, Arschloch.“ Ich verkrampfe meine Hände am Lenkrad und denke: Bleib ruhig! Seit ich Großvater bin, siegt mein Verstand immer über meine Gefühle. Es gibt Gesichter, in die möchte ich einfach nur hinein schlagen. Früher habe ich das auch gemacht. Heute nicht mehr. Nicht, dass es in dieser Situation etwas nützen würde, aber es würde helfen, meine Wut zu kanalisieren.

 

Bei der ersten Schule angekommen, hole ich meine „alte Bekannte“ aus dem Auto und liefere sie bei der Rektorin ab. Ich bin überrascht, als ich feststelle, dass mit jedem Schritt, den ich zwischen sie und ihre Freundin bringe, die Luft kühler wird. Im Zimmer der Rektorin ist meine Begleiterin nicht mehr größer als ein Gartenzwerg. Ich verpasse ihr das Wort zum Sonntag und werde nicht beleidigt. Das Mädel ist jetzt wieder so verstört, wie bei unserem ersten Treffen. Ich tippe auf eine bipolare Störung oder sonst was. Ich bin kein Psychologe.


 

Als ich zum Wagen komme, versucht Mädchen Nummer zwei gerade abzuhauen. Ich kann sie noch am Arm festhalten und wieder in den Wagen schieben. Sie weigert sich, den Gurt anzulegen und beleidigt uns wie eine alte Kneipenschlägerin. Na super. Mir ist das mittlerweile egal. Soll sie machen was sie will. Wenn sie darauf hofft, dass ich ihr eine knalle, muss ich sie enttäuschen. Fahren wir halt ohne Gurt weiter.

 

In der Schule angekommen, will das Mädchen nicht aussteigen. Jonathan und ich greifen sie an den Armen und schieben sie ins Zimmer der Rektorin. Als uns die Schulsekretärin entgegen kommt und das Mädchen fragt, was denn los sei, antwortet die: „Halt die Fresse, du Scheiß-Fotze.“ Die Frau ist vor den Kopf gestoßen. Als dann noch „Da staunst du, was? Du Scheiß-Fotze“ folgt, sagt die Sekretärin kein Wort mehr.

 

Die Rektorin, und der hinzugeeilte Klassenlehrer, reden ruhig auf das Mädchen ein. Jedenfalls versuchen sie das ungefähr drei Sekunden lang. Dann legt unsere Kleine los: „Du Scheiß-Lehrer. Dein Unterricht ist Scheiße. Und du bist auch Scheiße!“ Die Rektorin verbietet sich das und sagt dem Mädchen, dass es zurück in die Klasse gehen soll. Auch sie kriegt ihr Fett weg: „Du kannst mir gar nichts, du blöde Kuh. Ich gehe nicht in die Klasse. Ich haue ab.“

Ich gehe zu dem Mädchen und sage: „Halt den Mund!“ Sie schaut mich mit starrem Blick an. „Du hast mir gar nichts zu sagen, du Scheiß-Bulle.“ Ich schreie sie an: „Halt deine Klappe!“ Da legt sie erst richtig los. Mittlerweile ist dem Lehrer auch der Kragen geplatzt. Er greift das Mädchen am Arm und führt sie raus. Ich gebe Jonathan ein Zeichen, dass er mitgehen soll. „Warten sie unten im Pausenraum auf uns“ ruft die Rektorin hinter dem Lehrer her.

 

Ich notiere mittlerweile die Personalien und hole mir einen Strafantrag von der Sekretärin. Um Jonathan mache ich mir keine Sorgen, der hat die Sache bestimmt im Griff. Als ich fertig bin, folge ich nach unten.

 

Das Mädel ist weg. Jonathan und der Lehrer stehen kopfschüttelnd auf dem Schulhof. “Die ist einfach abgehauen“ sagt Jonathan. „Ich wollte sie festhalten, aber sie hat nach mir getreten. Dann ist sie noch hingefallen und weggerannt.“ Ich lächele ihm zu. „Ist okay. Alles kein Problem.“

 

Als wir auf die Dienststelle kommen, brauche ich einen Kaffee. Was macht Menschen in diesem Alter so kaputt? Ich habe keine Ahnung. Egal, was es auch war, entschuldigen kann ich so ein Verhalten nicht. Egal, wie andere Menschen darüber denken. Dass die „Krone der Schöpfung“ sich benimmt wie ein asozialer Ignorant macht mich immer wieder wütend. Jonathan erzählte den Kollegen, was genau passiert ist. Alle lauschen und sind gespannt auf die Story. Einerseits wird gelacht, aber ich spüre auch die Betroffenheit in der Runde. Wir müssen in letzter Zeit immer öfter mit Menschen klar kommen, deren Problem ist, dass man mit ihnen nicht klar kommen kann. Unlösbare Aufgaben zu lösen macht einfach keinen Spaß.



Thomas Knackstedt         



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