N E U : 19. September 2021      


Laufen hat den Pressebericht zum Hiddestorfer Rübenlauf.


Die Startseite hat eine Story fürs Herz.


Laufen hat die Taktik für Hiddestorf.


Link oder Leben hat einen Filmtipp.


Die Magdeburgstrecke steht in Link oder Leben.


Die Sonntags-Laufgeschichte steht in Schreiben.


In Link oder Leben steigt die Spannung.


Das Mittwochtraining steht in Laufen.


     

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.      




24 Stunden und 22 Jahre(Wir waren Helden).


Es ist komplett verrückt, aber ich erinnere mich an nichts. Wie kann das sein? Diese 24 Stunden, die ich vor 22 Jahren erlebt habe, waren die vielleicht intensivsten Stunden meines Lebens. Nie wieder habe ich 24 Stunden so nah am Rande der totalen Erschöpfung gelebt. Zu keinem Zeitpunkt meines Lebens fühlte ich mich leistungsfähiger und stärker als in diesen Stunden. Selbst heute zehre ich noch von ihnen und doch hat mein Gehirn davon anscheinend nur Schatten und Schemen gespeichert.


Vor 22 Jahren stellten sich Sabine, Michael, Thomas, Jürgen, Karsten und ich der größten läuferischen Herausforderung unseres damaligen Lebens. Die 24 Stunden von Schmallenberg waren ein nationales Highlight. Auf einer 6 Kilometer langen Rundstrecke kämpften 41 Staffeln, mit jeweils sechs Läuferinnen und Läufern, um den Sieg. Jeder Läufer musste mindestens 6 Kilometer laufen, dann war der nächste dran. Die Wechselfolge war den Teams überlassen. In jedem Fall sollten die Staffeln in 24 Stunden so viele Kilometer wie möglich schaffen. Der Streckenrekord lag bei 354 Kilometern. Wir waren Anfänger im Laufzirkus und wollten sehen, was geht. Als das Rennen in vollem Gange war, sahen wir eine Chance zu gewinnen. Die verfolgten wir hartnäckig und wechselten in jeder Runde den Läufer.


Die Runden waren alles andere als einfach. Es ging zunächst bergab, dann einen Kilometer geradeaus, danach einen Kilometer steil bergauf und anschließend steil wieder hinunter. So etwas nennt man anspruchsvoll. Später sollte ein Laufkollege in einem Artikel über den Streckenverlauf schreiben: „…konnte mich jetzt schon besser auf die Strecke konzentrieren. Es ging die meiste Zeit leicht bis schwer bergauf und an 2 Stellen widerlichst bergab…


Diese Beschreibung ist aus dem Jahr 1999. Hier kommt jetzt die Gegenwart im Abgleich mit der Vergangenheit.




Die Stadthalle Schmallenberg und ihr Vorplatz heute.

Damals sah das so aus:



Wechsel von mir auf Jürgen.



Betreuer Hans Jürgen mit der Strecke im Rücken.



Sabine und ich vor der Stadthalle.



Karsten wechselt auf Michael.


Es dauerte nicht lange und aus dem Kampf der 41 Staffeln war ein Zweikampf geworden. Eine Mannschaft aus Herne und die Nobodys aus Delligsen hatten sich weit vom Feld abgesetzt und wechselten sich immer wieder in der Führung ab. Die Entscheidung um den Sieg lag auf Messers Schneide. Bis heute glaube ich fest daran, dass wir gewonnen haben, weil wir das um einen klitzekleinen Tuck bessere Team waren. Einer lief für den anderen. Wir zerrissen uns für das Team. Nach 15 Stunden ging es los. Jürgen machte kurzfristig schlapp, später musste auch ich den harten Tempoläufen Tribut zollen. Michael sprang sofort für Jürgen ein, Sabine lief eine Extrarunde für mich. Wir waren unendlich dankbar dafür, nicht nur Mitläufer, sondern echte Freunde an unserer Seite zu haben. Nach 24 Stunden standen 356 Kilometer auf unserem imaginären Tacho. Das Team aus Herne lag anderthalb Kilometer hinter uns. Dieser Sieg war so unsagbar süß, dass ich ihn heute noch in meiner Erinnerung schmecken kann. Es war der letzte 24 Stundenlauf von Schmallenberg. Der Sponsor Falke stellte den Lauf ein. Wir waren die letzten Sieger und das mit einem Streckenrekord, den niemals mehr jemand brechen sollte. In Schmallenberg schmiedeten wir das Fundament für einen verschworenen Haufen von ziemlich unterschiedlichen, aber ähnlich verrückten Läufern. Der sollte in den nächsten Jahren bei den großen Marathonrennen der Republik ein Wörtchen mitreden können und 2008 in 2 Tagen und 22 Stunden, von Österreich bis nach Dänemark, in Rekordzeit laufend Deutschland durchqueren.


Bis heute ist viel Zeit vergangen. Ganz genau 22 Jahre. Unser Team ist noch immer da. Es hat Kratzer, Macken und Dellen bekommen. Stücke haben sich gelöst, andere haben sich angedockt. Momentan sind von den Schmallenberg-Läufern noch Sabine, Jürgen, Karsten und ich im Team. Vier von Sechs sind nicht schlecht. Nach 22 Jahren sogar ziemlich gut. Der Geist dieses Teams ist noch immer da, war niemals weg. Auch wenn einige das vielleicht anders sehen. Ich bilde mir ein über den Zustand dieser Mannschaft genau Bescheid zu wissen. Ich habe in schweren Zeiten gehofft und in guten Zeiten genossen. Damals war eine unbeschwerte, phantastische Zeit. Heute ist eine neue Generation von Läufern dabei, die DNA des legendären Schmallenberg-Teams in sich aufzunehmen. Nichts freut mich mehr, als das beobachten zu können.


Und dann das: Nach 22 Jahren fahren die Liebe meines Lebens und ich wieder nach Schmallenberg. Heute nicht zum 24 Stunden Rennen, sondern zum Urlaub mit Hund. Drei Tage Sauerland in Latrop, einem abgelegenen kleinen Dorf in der Nähe von Schmallenberg. Natürlich steht bei Antritt der Reise fest: Wir müssen die Strecke von damals noch einmal ablaufen. Mal ganz ehrlich: Wo sollte da das Problem liegen?


Als wir vor der Stadthalle stehen sagt Kathrin: „Ja, hier war das! Start und Ziel“. Ich schaue über den Platz und denke: Hier war ich in meinem ganzen Leben noch nicht. Ich sage aber: „Meinst du?“ Ich weiß noch genau, dass ich beim Start Karsten, den ich ablöste, schon von weitem ankommen sah. Heute schaue ich von dem Platz auf eine Busch- und Baumreihe und sehe gar nichts. Das passt doch nicht! Da ist lediglich dieser Nebeneingang zur Halle mit dem WC Schild, der meine grauen Zellen anstößt. Das habe ich schon mal gesehen, irgendwo…


Auf dem Vorplatz der Stadthalle stehen ein paar Gemeindearbeiter. Ich schnappe mir den Ältesten und frage ihn, ob er noch weiß, wo damals das 24 Stunden Rennen stattfand. Er weiß es nicht. Kurz zuvor waren wir im Falke Shop und haben uns dort durchgefragt. Doch die Angestellten waren alle so jung, dass sie noch nie von dem Lauf gehört hatten. Immerhin gibt uns der Gemeindearbeiter einen Tipp. Gleich um die Ecke ist die Touristeninfo, die wüssten vielleicht was. Sprechen wir also dort vor.


Die junge Frau verdient sich eine Eins mit Sternchen, so bemüht sie sich. Aber sie bekam 1999 vermutlich noch die Brust ihrer Mutter. Ihr Kollege sieht so aus, als ob er damals noch nicht auf der Welt war. Auch er schüttelt den Kopf. Aber es gibt da einen älteren Kollegen, der ist schon zu Hause, den rufen sie jetzt an. Leider geht der nicht ans Telefon. Die junge Frau holte noch Kartenmaterial aus dem Inforegal und wir drehen und wenden die Blätter und glauben tatsächlich, zumindest einen Teil des Streckenverlaufs am Start zu erkennen; vage.


„Morgen laufen wir das Ding ab. Wir findend das!“ Kathrin hat gesprochen. Wie könnte ich da Einwände äußern.


Die Strecke heute:



Nach dem steilen bergab Einstieg ging es nach rechts in den Philosophenweg.



Der ließ sich damals so gut laufen wie heute.



Dann hieß es: Rechts ab und den Berg hinauf.



Diese kleine Kapelle diente heute wie damals als Einstiegs-Merkmal in den Berg.



Hier hat sich der Ort in jedem Fall weniger verändert, als die Typen, die da auf der Bank sitzen.



Dann ging es bergauf...



...und bergauf...



...und weiter bergauf...



...genau bis hierher. Da hieß es wieder: Rechts ab!


24 Stunden später stehen wir vor der Stadthalle und laufen los. Kathrin hat Arkadi an der Leine, ich habe einen Kartenausschnitt und die Kamera in der Hand. Als wir auf den ersten 500 Metern steil bergab ins Tal laufen, bin ich mir relativ sicher: Das könnte passen. Unten angekommen geht es rechts ab und dann über einen Kilometer auf ebenem Gelände über einen asphaltierten Weg. Hier schieben sich Teile meiner Erinnerung wie passende Puzzlestücke zusammen. Hier war ich schon. Hier bin ich „um mein Leben gerannt.“


Irgendwann ging es dann rechts ab. Aber wo? Ich sehe einen alten Mann am Wegesrand, den spreche ich an. Wie kurios muss das sein? Ich sage zu ihm: „Vor 22 Jahren war hier ein 24 Stunden Lauf. Wir haben damals gewonnen und suchen jetzt die Strecke. Wissen sie etwas darüber?“ Die Miene des Mannes hellt sich auf. Er lächelt. „Aber sicher. Ich habe damals mit Freunden in einer Gartenlaube an der Strecke gesessen und Bier getrunken. Einer der Läufer kam damals zu uns und sagte, das wäre echt hart, ob er etwas trinken könnte. Da haben wir ihm auch ein Bier gegeben.“ Der Mann kennt den Streckenverlauf noch und sagt: „Da vorne kommt ein Holzplatz. Da müsst ihr rechts. Da ist so ein Hundegelände und es geht bergauf.“ Ich bedanke mich herzlich und weiter geht es.


Rechts geht es in den Wald hinauf. Aber weder Kathrin noch ich können uns an diese Gegend erinnern. Ich frage noch einmal. Dieses Mal einen Waldarbeiter. Auch der weiß Bescheid. „Ihr müsst so lange hinauf, bis zu einer Kapelle. Dann geht die Strecke rechts ab.“


Es folgt ein Anstieg über einen Kilometer Länge, der es in sich hat. Ich überlege, dass wir damals, nach 24 Stunden, einen Kilometerdurchschnitt von 4:02 Minuten hatten. Am Ende des Anstiegs ist mir klar: Wir müssen damals Helden gewesen sein. Könner. Spezialisten. Hervorragende Läufer. Heute wäre eine Zeit um die vier Minuten eine Illusion, die ungefähr so weit entfernt ist wie der Andromeda Nebel.


Da ist die Kapelle mit dem Kreuz. Jetzt geht es bergab. Und wie! Auf diesem Streckenabschnitt erfolgte damals der Kanonenschuss an der Stadthalle, der das Rennen beendete. Karsten war auf der Strecke und ließ sich, nach dem Ertönen des Schusses auf seinen Allerwertesten plumpsen. Er blieb dort sitzen, bis unser Team ihn laufend erreicht hatte und anschließend gebührend feierte. Damals war dieser Abschnitt im Wald, heute ist er neben einem Acker. Es ist wieder mal Zeit für meinen beherrschenden Gedanken: „Hier war ich noch nie!“


Der Rest der Strecke folgt hier:



Von hier aus ging es im freien Fall nach unten.



Man konnte es richtig laufen lassen.



Das hier ist für uns ein historischer Ort. Auch wenn man ihn kaum wiedererkennt(ihr müsst auf die Biegung des Weges achten). Den Grund dafür seht ihr auf den nächsten Bildern. Damals sah das nämlich so aus:



Nach 24 Stunden war genau an diesem Punkt Schluss mit dem 24 Stunden Rennen.



Wir hatten gewonnen!



Vor der Unterführung scharf rechts.



Und wieder geht es steil bergab.



Weiter...



...und weiter.



Dann links ab Richtung Schmallenberg.



Es folgt der kurze Schlussanstieg.



Und da ist die Stadthalle wieder.


Aber Kathrin erinnert sich. Es geht rechts um eine scharfe Biegung. Wir laufen auf eine Straßenunterführung zu, vor der wir scharf nach rechts abbiegen müssen. Dann geht es im freien Fall nach unten. Ich vermute, dass wir damals an diesen Abschnitten so um die 3:30 Minuten auf den Kilometer gelaufen sind. Dann kommt Schmallenberg wieder in Sicht und ich kann mich tatsächlich an einen Streckenabschnitt erinnern. Während Kathrin und Arkadi ständig vorweg laufen, schieße ich Fotos von allen Streckenabschnitten. Das bin ich Sabine und den Jungs von damals schuldig.


Die letzten 500 Meter sind diejenigen, die mir die Gewissheit verschaffen, dass wir 1999 tatsächlich diese Strecke gelaufen sind. Ich schaue auf die Uhr. Unsere Laufzeit heute lag bei ungefähr 36 Minuten. Damals lagen unsere Rundenzeiten zwischen 22 und 26 Minuten, und das 24 Stunden lang. Das ist im Nachhinein kaum zu glauben.


Als wir auf den Platz vor der Stadthalle laufen ist unsere kleine Zeitreise zu Ende. Ganz ohne Timetunnel oder eine Zeitmaschine sind wir in der Zeit zurückgelaufen. Nicht nur wir, auch die Strecke hat sich verändert. Ich bin unglaublich froh, diese Zeitreise gemacht zu haben. Sie zeigte mir wie sehr unsere Erinnerung leidet und wie wertvoll es sein kann, sich mit Leidenschaft und Herzblut an Details zu erinnern. Wir haben diese kleine Expedition genossen und umarmen uns. Arkadi bekommt einen extra Streicheleinheit. Dann schließen wir die Augen und öffnen sie 22 Jahre später wieder. Wir setzten uns in den Wagen und fahren zurück nach Latrop. Keiner sagt ein Wort. Unsere Gedanken sind noch immer in der Vergangenheit unterwegs…



Thomas Knackstedt



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