N E U : 17. Januar 2021      


In Schreiben steht eine neue Geschichte.


Die "Luchs-Nachlese" gibt es in Link oder Leben.


In Laufen ist Training.


Link oder Leben berichtet von unserer Luchs-Sichtung.


Die Startseite hat eine wilde Geschichte für Euch.


Laufen durchquert das "Jammertal."


Laufen genießt das Unerwartete.


Link oder Leben erinnert sich(aus traurigem Anlass).


     

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.      





Wild


Es gibt Geschichten, die muss man sofort aufschreiben. Da muss der Rausch des Erlebten möglichst schnell auf das Papier, um so wenig Verlust wie möglich zu produzieren. Oft weiß man gar nicht, dass man etwas Abenteuerliches erlebt hat. Manchmal kommt die Erkenntnis auch erst sehr viel später. Aber diese Geschichte hier, die hat mich von der ersten Sekunde an mitgenommen. Da wusste ich sofort: Das erlebst du vielleicht nur ein Mal im Leben.

 

Als Arkadi, unser Harzer Fuchs-Schäferhund-Mischling und ich gestern Abend Gassi gingen, war die Wildnis hinter unserem Haus schon gut besucht. Ich leuchtete mit der Kopflampe auf die große Wiese hinter dem Grundstück und mir blinkerten etwa zehn funkelgelbe Augenpaare entgegen. Eines davon war direkt in meiner Nähe und ich konnte eine Katze hinter den beiden gelben Leuchtstrahlern identifizieren. Der Rest der Augenbesitzer war zu weit entfernt, als dass ich sie im Licht der Lampe hätte erkennen können. Ich vermutete einen ganzen Trupp Rehe auf der Wiese, da ich die Tiere schon oft abends dort gesehen hatte. Zusammen mit Arkadi schreckte ich die Katze auf, dann gingen wir wieder nach Hause.

 

Am nächsten Morgen, es war bereits hell, war der nächste Gassi-Gang dran. Wieder kamen wir an der Wiese vorbei, die jetzt leer war. Arkadi lief das Grün ab und zeigte sich sehr interessiert. Dazu muss ich sagen: Arkadi ist ein Nasenhund. Er kann hervorragend suchen und sieht mit seiner Nase besser als ich mit meinen Augen. Systematisch schnüffelte er die Wiese ab und ich dachte: Ja, da wird er von gestern Abend noch einiges geboten bekommen. Doch urplötzlich blieb der junge Rüde stehen, wurde stocksteif und reckte seine Schnauze witternd einer 50 Meter entfernten Buschreihe entgegen.

 

Ich kann den Hund schon ganz gut lesen und wusste: Da ist irgendetwas. Noch während dieser Gedanke durch meinen Kopf brauste, löste sich ein hellbrauner Körper aus der Buschreihe und trottete gemächlich auf Arkadi zu. Ich hatte meine Brille nicht auf, aber auf die Entfernung kann ich noch ganz gut sehen. Das Tier, das da auf Arkadi zulief, schien mir ein Hund zu sein. Da ich in letzter Zeit mehrmals von entlaufenen Hunden gehört hatte, vermutete ich, dass da vorn vielleicht genau so ein Streuner angetrabt kam. Das Tier blieb einen Meter vor Arkadi stehen, so dass sich die beiden braunen, ungefähr gleich großen, Fellbündel Kopf an Kopf gegenüber standen. Ich war etwa 50 Meter entfernt. Arkadi rührte weder einen Muskel noch sonst irgendetwas. Er ist ein sehr ruhiger Hund.


Ich wollte Arkadi gerade rufen, weil ich die Hoffnung hatte, dass der andere Hund dann vielleicht auch zu mir käme, als der unbekannte Vierbeiner sich langsam zur Seite drehte. In dieser Sekunde blieb mir die Luft weg. Wie gesagt, meine Augen sind nicht mehr die allerbesten, aber noch ganz gut. In der Seitenansicht sah ich eine hohe Hüfte, einen kurzen Stummelschwanz und zwei Pinselohren. Ein Luchs! Ich war wie erstarrt. Der Luchs war fast genau so groß wie Arkadi und nur ein wenig schmaler. Arkadi bringt ungefähr 70 Pfund auf die Waage. All das schwirrte durch meinen Schädel. Klar, ich hatte Luchse schon im Wildpark gesehen, aber waren die wirklich so groß? Sollte es da vorne zu einem Kampf kommen, würde ich lieber nicht in der Haut meines Hundes stecken. Ich versuchte ganz ruhig zu bleiben und rief meinen Hund. „Arkadi. Komm zu mir.“ Unaufgeregt und sachlich wiederholte ich das Kommando und Arkadi drehte sich langsam um und trabte zu mir. Der Luchs seinerseits drehte sich ebenfalls um und trabte locker und geschmeidig zur Buschreihe. Dort, da war ich mir ziemlich sicher, wartete ein zweites Tier, das ich nicht hundertprozentig ausmachen konnte. Beide Tiere liefen in die Buschreihe und entfernten sich dann den Berg hinauf.



Luchs im Tierpark Wismar.

 

Noch während ich die Tiere beobachtete, kam Arkadi zu mir. Ich lobte und streichelte ihn. Was für ein verdammt ruhiger Hund. Ob er auch nur die geringste Ahnung hatte, was ihm da eben hätte blühen können? Erst jetzt merkte ich, dass ich komplett „geflasht“ war. Seit Jahren gibt es immer wieder einzelne Luchssichtungen in unserem kleinen Mittelgebirge. Ich kenne die Stellen und bin sie Dutzendmal mit dem Mountainbike abgefahren oder mit meinen Laufschuhen abgelaufen. Immer dachte ich: Einmal in freier Wildbahn einen Luchs sehen. Das wäre was. Und jetzt das. Der nächste Gedanke war: Wem soll ich das erzählen? Das glaubt mir doch niemand. Dann nahm ich aus den Augenwinkeln wahr, dass mein Nachbar und Lauffreund Marco in seinem Garten stand und zu uns herüber sah. Ich rief ihm zu: „Marco, hast du das gesehen?“ Er antwortete: „Ja.“ Ich rief zurück: „Du weißt, was das war, oder?“ Marco entgegnete: „Ja. Ein Luchs!“ Okay, hatte ich also keine Vision.

 

Eine halbe Stunde später nahm ich Arkadi an die Suchleine und wir gingen noch einmal auf die Wiese. Es dauerte keine Minute, bis wir die Stelle eines Rehrisses fanden. Auf ein paar Quadratmetern war die Wiese regelrecht plattgedrückt und mit Tausenden von Rehhaaren bedeckt. Der Hund nahm die Spur auf und nur 10 Meter weiter lagen die Innereien des Rehs am Wegesrand. Von dort ging es weiter in die Buschreihe hinein. Aus einem großen Laubhaufen, gut versteckt, ragten die Läufe eines ausgewachsenen Rehs heraus. Jetzt wusste ich auch, wieso der Luchs dem Hund auf die freie Wiese entgegengelaufen ist. Selbstsicher und souverän wollte er zeigen: Diese Beute gehört mir. Bleib lieber weg. Es ist besser für Dich. Arkadi schien die Botschaft verstanden zu haben. Gott sei Dank. Ich schaute mir das Versteck der Beute in Ruhe an und war extrem beeindruckt. Die Wildnis ist wieder da. Direkt hinter unserem Haus. Das, was ich seit Jahren in den entlegensten Winkeln der Wälder gesucht hatte, fand mich an unserer Hintertür.

 

Als ich zum Haus zurückging und der Hund seine Schleifen über die große Wiese zog, kam mir ein anderer Traum, den ich schon seit Jahren habe, in den Sinn: Ich würde zu gern einmal einen Wolf in freier Wildbahn sehen. Seit heute denke ich: Wer weiß…



Thomas Knackstedt



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