WELTREKORDVERSUCH!

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N E U : 23. Juni 2017      


Link oder Leben hat den Lauf ins Wochenende.


Die Startseite hat einen neuen Text.


Laufen hat das Mittwochtraining für Euch.


In Link oder Leben gibt es einen Wiedereinstieg.


Link oder Leben hat Impressionen vom Staffelmarathon.


In Laufen ist die Grodzisk-Homestory komplett.


Schreiben hat eine Geschichte für Euch.


Der Pressebericht zum Grodzisk Halbmarathon steht in Laufen.


      

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.  
 



Himmelfahrtskommando


Lange halte ich das nicht mehr aus. So viel steht fest. Ich bin seit vierzig Jahren Polizeibeamter und habe Situationen wie diese mit Sicherheit schon Hundert Mal erlebt, aber das macht es nicht besser. Gegen die Wirkung von hoch dosiertem Schwachsinn kann man sich kein dickes Fell wachsen lassen. Wir binden gerade zehn, über Jahre teuer ausgebildete Fachkräfte damit, die psychischen Probleme einer depressiven jungen Frau auszuhalten. Ich bin ganz sicher kein Freund vergangener Zeiten, doch im Moment erinnere ich mich gern Dreißig Jahre zurück. Da hätte diese junge Dame, die mich an einen Mix aus Prinzessin Tausendschön und dem Schweinchen Wutz erinnert, nicht Sanitäter, Ärzte und Polizisten über Stunden gebunden, sondern schlichtweg einen Tritt in den Allerwertesten bekommen, der sie in Richtung Heimat katapulitiert hätte. Dass ich mir das gerade wünsche, dafür dürfen sie mich gern ein Arschloch nennen, aber ganz ehrlich: Sie sind nicht hier! Sie müssen sich diesen Scheiß nicht antun! Doch von vorn…

 

Hat es mich wieder Mal erwischt. Mit 56 Jahren muss ich noch bei einem Sondereinsatz antreten. In unserer kleinen Stadt wird Himmelfahrt gefeiert. Jedes Jahr ein Highlight. Hunderte von besoffenen Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden treffen sich bei einem Turm im Wald und wetteifern darum, wer am meisten saufen kann und anschließend den größten Mist anstellt. Früher gab es neben dem Turm eine Bewirtung, heute nicht mehr. Das liegt nicht daran, dass man dort oben an Himmelfahrt kein Geld verdienen konnte. Es liegt daran, dass in jedem Jahr dort oben gebrochene Nasen, wildes Geschrei, halbtote Alkoholopfer und völlig hysterische, betrunkene Kinder selbst dem geduldigsten Wirt die Laune verdorben haben. Verständlich.

 

Die ganzen Spacken rennen trotzdem in den Wald und begehen dort jedes Jahr, mit schöner Regelmäßigkeit, jede Menge Dummheiten. Vor ein paar Jahren hatten ein paar Jugendliche die famose Idee von dem 18 Meter hohen Turm volle Bierflaschen in die Menge zu werfen. Das es nur leicht Verletzte gab, war ein Wunder. Seit diesem Vorfall wurde der Turm an Himmelfahrt mit einem Eisentor versperrt. Okay, dachten sich im letzten Jahr einige Mutige, klettern wir halt auf einen Hochspannungsmasten in der Nähe. Das einer der betrunkenen Kletterspezialisten dabei auch an die Stromleitung kam ist selbstredend. Der war dann allerdings schon wesentlich schwerer verletzt.

Jetzt ist es wieder soweit und wir müssen vier Beamte stellen, die sich den Wahnsinn dort antun. Wir pfeifen personell seit Jahren auf dem letzten Loch. Im Klartext heißt das, dass der 56jähriger Großvater Thomas, die beiden 20jährigen Polizeipraktikanten Nicole und Jonas, sowie der 59jährige Streifenbeamte Uwe, der vor ein paar Jahren, nach einem Infarkt, schon klinisch tot war, sich in dem besagten Sonderkommando wiederfinden. Was für ein Team! Wir vier gegen ein paar Hundert hochagiler, junger Trunkenbolde. Was sollte das schief gehen?

 

Wir sind keine Stunde im Dienst, als der erste Einsatz ansteht. Die Rettungsleitstelle ruft uns an. Sie wollten vor einer Stunde einen komatösen Besoffenen vom Gelände am Turm abholen. Das klappte allerdings nicht, weil sie von der  betrunkenen Menge mit Flaschen beworfen wurden. Allein dafür könnte ich jeden der Flaschenwerfer ohne Skrupel mit dem Knüppel eins überziehen. Da sich die Sanitäter jetzt nicht mehr allein zum Turm trauen, müssen wir also mit, denn: Da liegt schon wieder ein Opfer im Wald, das sich gegenüber dem Alkohol als nicht gleichwertiger Gegner erwiesen hat.

 

Wir wirbeln eine riesige Staubwolke auf, als wir mit zwei Streifenwagen und dem Rettungswagen auf den Platz am Turm fahren. Ungefähr 300 Menschen, vorwiegend Jugendliche, drängen sich dort. Ein Blick reicht mir, um festzustellen, dass mindestens die Hälfte davon mehr getrunken hat, als ihnen gut tun würde. Das Ganze um 13.40 Uhr. Sehr schön. Nicole und Uwe sind ein Team. Sie haben die Uniform an. Jonas und ich machen auf Kripo in Zivil.

 

Wie ich mir schon denken konnte, dauerte es nur wenige Sekunden, bis die ersten Vollhonks anfangen Nicole „anzumachen“. Eine so gut aussehende Polizistin mit nur 20 Lenzen kriegt man halt nicht jeden Tag zu sehen. Und Frauen in Uniform… Na ja, in jedem Fall wirkt Nicole wie ein Magnet auf jeden Trottel, der angetrunken genug Mut aufbringt, einen sinnfreien Spruch anzubringen. Im Endeffekt fallen den meisten nur zwei Sprüche ein: Zum einen: „Wie heißt Du?“ Zum zweiten: „Kann ich deine Telefonnummer haben?“ Nicole löst das extrem professionell. Als Antwort auf Frage 1 zeigt sie auf den Schriftzug, der ihre Uniform ziert. Als Reaktion entstehen Falten in betrunkenen Gesichtern. „Hä? Da steht Polizei.“ Nicole antwortet: „Stimmt. Das muss reichen.“ Auf Frage 2 lässt Nicole ein schlagfertiges „110“ hören. Geht doch.

 

Ich schlängele mich mit einem Sanitäter durch die Menge. In Zivil falle ich hier lediglich auf, weil ich, zusammen mit Uwe, die beiden mit Abstand ältesten Menschen hier auf dem Platz abgebe. An einem Baum liegt ein junger Mann, der total besoffen ist. Vollgekotzt und ziemlich verschleimt liegt er am Boden und starrt ins Nichts. Um ihn herum, sogenannte Freunde, die beim Abfüllen gehlofen haben. Der Knabe wird mit der Trage zum Rettungswagen gebracht und die Menge ist begeistert. Irgendwie erinnert mich das an einen römischen Historienfilm, als die Kämpfer Roms aus den siegreichen Schlachten in die Stadt zurückkehrten. Als der Typ im Wagen liegt, wird er wieder wach, fängt zu winken an, will nicht mitfahren und darf eine Minute später aus dem RTW zu seinen Kumpels torkeln. Prima. Genau diese Einsätze liebe ich. 

 

Es folgen noch zwei weitere Einsätze, die ähnlich ablaufen. Ein Schwarm von Idioten, der sich alkoholgeschwängert für das Salz der Erde hält und trotz kompletter Hilflosigkeit jegliche Hilfe von Seiten der Polizei und Sanitäter ablehnt.

 

Bei einem der Einsätze stehen drei Bubis vor mir und wollen wissen, ob ich wirklich ein Polizist bin. Für diese Fälle habe ich Jonas und mir vorhin die alten Kripo-Hundemarken samt Kette aus der Schatulle in der Wache geholt. Ich ziehe die Kette mit dem Kripo Symbol raus und zeige sie einmal rund vor den erstaunten Augen. Da sind die Jungs hin und weg. Würden am liebsten ergriffen zu Boden sinken. Verdammt, was für Deppen.


 

Unser letzter Einsatz an diesem Tag ist dann das Highlight. Da wird alles geboten, was das Polizistenleben so schön und auch so hässlich machen kann.

 

Fahrt Nummer Fünf sieht uns zunächst einer Gruppe von acht Jugendlichen gegenüber, die gerade vom Turm abwandern. Während einer der Jungen mit Schmackes gegen eine Naturschutztafel tritt, rauschen Jonas und ich gerade mit dem Streifenwagen um die Ecke. Ich steige aus und greife mir den Typen. Der ist total perplex, so urplötzlich zwei Polizei- und einen Rettungswagen vor sich zu sehen. Er hat Glück, dass die Tafel heil geblieben ist. So gibt es nur ein Wort zum Sonntag von mir. Ich gehe davon aus, dass er sich an diesen Schreck ein Leben lang erinnern wird.

 

Danach fahren wir zum Turm. Die Menge hat sich erheblich gelichtet. Der Weg war steil und weit. Eine Bewirtung gibt es nicht. Zu viele Flaschen wollten die meisten auch nicht tragen oder auf einem Bollerwagen ziehen. Das ist viel zu anstrengend.  Die mitgebrachte Musik auf Smartphones und Bluetooth Lautsprechern klingt kläglich. So erledigt sich die Menschenmenge von selbst.

 

Wir suchen jetzt eine junge Frau, die ohnmächtig im Wald liegen soll. Es dauert nicht lange, bis wir sie gefunden haben. Das Mädel ist total besoffen und kommt nicht auf die Beine. Die Hose ist offen, die Haare auch. Die Augen verheult und knallrot. Sie kann nicht aufstehen, keinen Ausweis vorzeigen und schon gar nicht sagen, was passiert ist. Total, komplett neben der Spur. Sie heult Rotz und Wasser und ich bin mir ganz sicher, dass sie nicht einmal weiß warum. Jonaus vermutet zunächst, die offene Hose könnte auf ein Sexualdelikt hindeuten. Hm? Das kann man nicht von der Hand weisen. Als unser junger Polizeipraktikant dann aber genauer hinsieht und eine feuchte große Spur neben dem Mädel und jede Menge nasse Hosse an ihr feststellt, wird klar: Die Frau wollte pinkeln und hat das nicht mehr ordentlich hinbekommen.

 

Jetzt ist es an der Zeit, dass ich unseren Jungspunden mal zeige, wie man einfühlsam und locker aus verstörten Menschen etwas herausbekommt. Ich ziehe die Großvater-Nummer ab und bin total freundlich. Ab und an klappt das. Da kriege ich schon mal den Namen raus. Als ich sie allerdings dazu bewegen will aufzustehen, nennt sie mich ein Arschloch. Na Super. Das ist nicht wirklich ein Erfolg.

 

Einem Rettungssanitäter und Nicole und Jonas ergeht es nicht anders. Da das Mädel unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss steht, da sind wir uns alle sicher, muss sie in den Krankenwagen. Sie liegt jedoch so weit abseits, dass der Rettungswagen dort nicht anfahren kann. Man kennt ja die Geschichte mit dem Berg und dem Propheten. Probieren wir also das.  Ich gebe das Kommando unsere betrunkene Heulsuse zum Rettungswagen zu tragen. Leider haben wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Das Mädchen spielt nicht mit. Sie wehrt sich mit Händen und Füßen, macht sich schwer, tritt nach Jonas und beleidigt uns als Arschlöcher, Wichser und Idioten. Ich will einfach nur ruhig bleiben, aber das fällt schwer. Während sich meine Kollegen mit diesem Stück Mensch abplagen, merke ich, dass ich wütend werde. Wir wollen hier alle nur helfen und dann muss dieses halbe Kind hier so einen Aufstand machen. Aber wütend sein hilft auch nicht, also brechen wir erst einmal ab.

 

Eine halbe Stunde später hat einer der Sanitäter unsere „blaue“ Waldfee dazu überredet, zum Rettungswagen zu gehen. Kurz davor lässt sie sich aber wieder auf die Erde fallen. Versuche, sie dort wegzubekommen enden in wüsten Beschimpfungen. Also wird wieder geredet.

Ich habe mich vorsorglich zehn Meter entfernt auf eine Bank gesetzt. Das schützt mich und alle Beteiligten vor Dummheiten. Mir platzt nämlich gleich der Kragen. Bei Uwe sieht es nicht anders aus. Ich bekomme mit, dass er dem Mädchen eine Standpauke hält, weil sie ihre Adresse nicht Preis gibt. Einen Ausweis hat sie nicht dabei. Das Ende vom Lied ist, dass sie Uwe einen Penner und Wichser nennt. Okay, jetzt muss ich sogar schon ein bisschen lachen. Ich schaue mich um. Wir sind hier mit zehn Leuten von Polizei und Rettungsdienst eingesetzt, um einer hysterischen Heranwachsenden die, verzeihen sie mir die Ausdrucksweise, nicht alle Tassen im Schrank hat, zu helfen. Das nenne ich echt mal eine tolerante Demokratie.

 

Da wir das Mädchen nicht in die Zelle sperren können, da nicht klar ist, was sie intus hat, und die Sanitäter sie nicht mitnehmen können, weil sie nicht mit will, wird ein Notarzt gerufen. Auweia, denke ich. Das kann dauern. Aber erstaunlicher Weise ist die Notärztin schnell da. Eine Frau aus dem Ostblock, die mir sofort sympathisch ist, denn: Ihr fliegen nach drei Minuten schon sämtliche Sicherungen raus und sie liest ihrer Patientin mit Schmackes die Leviten. Danach geht es im Eilflug ins Krankenhaus. Nicole muss im Rettungswagen mitfahren, in dem die festgeschnallte junge Dame jault und heult, wie ein Robbenbaby, das gerade an den Strand gespült wurde und nach seiner Mutter ruft.

 

Zehn Minuten später sind wir im Krankenhaus. Als Nicole aus dem Rettungswagen aussteigt, höre ich noch einmal diesen wunderbaren Klagelaut. Fast wie auf Helgoland. Der Hammer.

 

Wieder auf der Dienststelle schauen wir uns alle an und schütteln den Kopf. Wir haben in letzter Zeit öfter mit psychisch Kranken als mit Verbrechern zu tun. Was die Sache nicht einfacher macht. Schließlich sind wir weder Psychologen noch Ärzte. Die Bürokratie treibt in diesem Bereich wundersame Blüten und sorgt dafür, dass zehn kleine Helferlein über Stunden blockiert sind, weil eine depressive, betrunkene Partyprinzessin beim Pinkeln im Wald ohnmächtig geworden ist. Unglaublich. Ich bin nur froh, dass in der Zeit, in der wir das peinliche Schauspiel im Wald ertragen mussten nicht irgendwo anders in unserem Bezirk jemand tatsächlich in „echte“ Not geraten ist. Das wäre eine Katastrophe. Aber glauben sie mir: Solche Katastrophen geschehen leider jeden Tag…   



Thomas Knackstedt         


Weltrekordler gesucht!

 

Am 27.08.2017 werden wir versuchen als Staffel den Marathonweltrekord zu unterbieten. Wer aus Delligsen kommt, die 100 Meter unter 17 Sekunden schafft, und gern dabei sein will, der meldet sich HIER. Wir warten auf Euch…                    

 

 

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