N E U : 26. November 2020      


Die Startseite hat einen neuen Text.


Laufen hat das Mittwochtraining.


Link oder Leben macht Mittagspause.


Laufen saut sich ein und freut sich.


Schreiben hat Sehnsucht.


In Link oder Leben findet ihr einen Filmtipp.


Laufen läuft zügig.


Link oder Leben hat das Wochenende mit Auszeichnung.


     

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.      





Hier und Jetzt.


Ich bin nicht besonders schnell, aber ich laufe. Es geht nach oben. Steil nach oben. Seit etwa einer Minute tragen mich meine Beine diesen Steilanstieg in einem kleinen Mittelgebirge aufwärts. Meine Begleiterin Julia ist vom Laufschritt ins Gehen übergewechselt. Ihre Muskulatur spielt bei dieser Anstrengung noch nicht mit. Zuvor haben wir uns über vier Kilometer stetig bergauf gearbeitet. Anstrengend, aber auch wunderschön. Die beiden Türme, die heute auf unserer Laufroute auf uns warten, sind nur über Rampen zu erreichen, die für ein Fahrrad unfahrbar und für Läuferbeine zumindest sehr schwer erklimmbar sind.


Die Muskeln meiner Oberschenkel werden langsam blau, aber ich bin schon fast oben. Ich genieße jeden einzelnen Schritt, so seltsam sich das auch anhören mag. Ich liebe es, wenn mein Körper ausführen kann, was ich von ihm verlange. Ich weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Ich weiß auch, dass ich auf ihn angewiesen bin; rund um die Uhr. Ich bin dankbar, dass er diese Arbeit für mich leisten kann und weiß genau: Wäre es nicht so, mir würde etwas fehlen.


Oben angekommen warte ich einen Moment auf Julia. Dann klettern wir den Turm hinauf und genießen eine atemberaubende Aussicht. Der Blick lässt jede Anstrengung vergessen und wir versuchen das Gesehene ganz tief in uns aufzunehmen. Wir fühlen uns ein wenig wie die Herren der Welt, so lächerlich sich das auch anhören mag.


Anschließend geht es auf einem, teilweise ausgesetzten, Kammweg weiter. Die lange Trockenheit und der Borkenkäfer haben den Wald schwer geschädigt. Ein Großteil der Nadelbäume musste gefällt werden. Das sorgt dafür, dass wir während unseres Laufs über den Trail des Kamms einen Wahnsinnsausblick haben. Wir können weit ins Land schauen und die Novembersonne taucht das Land in herrliche Farben. Hier vergessen wir jede Mühe, laufen locker und frei auf der Höhe. Jeder Schritt ist ein Genuss.

Wir nähern uns dem zweiten Turm auf unserer Runde. Waren meine Oberschenkel vorhin blau, so sind sie jetzt blitzeblau. Die Rampe hier ist noch steiler und ungefähr doppelt so lang. Meine Beine arbeiten wie Kolbenstangen, die sich mit aller Macht gegen die Schwerkraft und die Steigung stemmen. Laufend einen Fuß vor den anderen zu setzen verlangt Kraft, Beherrschung und Ausdauer. Ich schaue nicht nach oben, sondern nur auf meine Füße. Das ist meine Taktik für solche Momente. Ich sehe mir nicht die ganze schwere Strecke an, sondern arbeite einen Schritt nach dem anderen ab. Ich bin wieder allein. Julia geht auch diese Steigung hinauf. Das ist in jedem Fall schlauer, als sich komplett „abzuschießen.“


Als ich den höchsten Punkt unserer heutigen Runde erreicht habe, pumpe ich wie ein Maikäfer. Ich stehe kopfübergebeugt, die Hände auf den Oberschenkeln aufgestützt, schwer atmend auf der Bergkuppe. Ich brauche ein paar Sekunden, bis ich wieder bewusst und ruhig atmen kann. Meine Beine sind ein wenig zittrig, das war wirklich megasteil. Kurze Zeit später ist Julia da und wir nehmen den Aufstieg auf den zweiten Turm in Angriff.


Auch hier breitet die Natur einen Anblick vor uns aus, der schöner kaum sein könnte. Der Holzturm an sich ist schon eine abenteuerliche Konstruktion. In schwindelerregender Höhe versuche ich mir vorzustellen, wie viele Nägel und Schrauben notwendig waren, damit wir uns in dieser luftigen Höhe einigermaßen sicher fühlen können. Rundum liegt das Land wie eine aufgeklappte Karte vor uns. Orte, Flüsse, Berge, Wälder und Straßen ergeben in zufälligem Zusammenspiel ein perfektes Bild.



Von nun an geht es bergab. Unsere Oberschenkel sind schon malträtiert, jetzt ist die Stützmuskulatur dran. Die Wege sind matratzenhoch mit Laub bedeckt. Es ist weich und rutschig zugleich. Wir sind hin und weg. Der wolkenlose blaue Himmel wird urplötzlich mit schwarzen Punkten bedeckt. Von weitem hören wir ein Geräusch, das ich nur zu gut kenne. Die Rufe werden lauter und jetzt ist der große Flug Kraniche, der sich uns nähert, gut zu erkennen. Es sind über Hundert Tiere, die lauthals rufend, ihren Flug in Richtung Westen absolvieren. Wir bleiben kurz stehen und genießen dieses Erlebnis mit Augen und Ohren.


Zehn Minuten später stellen wir fest, dass wir uns verlaufen haben. Was macht man da, so ganz ohne Handy und Landkarte? Wie war das früher eigentlich? Ach ja, man kann einfach jemanden fragen. Ein junger Typ, der gerade dabei ist Grünabfälle von einem Anhänger zu laden, fungiert für uns als Navigator. Sehr schnell wissen wir wieder, wo es langgeht. Wir laufen ein Stück über die Landstraße und stellen fest, dass die heute für uns allein reserviert ist. Keine Autos stören unseren Lauf.


Nach 17 Kilometern kommen wir wieder an unserem Ausgangspunkt an. Die Sonne und die Zufriedenheit waren unsere ständigen Begleiter. Ich habe jetzt fast sechs Jahrzehnte auf dem Buckel und bin unsagbar dankbar dafür, dass ich solche Touren noch laufen kann. Die Kombination von Laufen, Reden, Beobachten und Genießen schlägt mich noch immer voll und ganz in den Bann. Jeder Schritt findet mich dabei im Hier und Jetzt wieder. Ein Ort, den wir viel zu selten aufsuchen. Dabei ist gemeinsames Laufen noch mehr als die Redewendung „doppelte Freude“ umschreiben kann. Als wir uns verabschieden, freue ich mich schon auf den nächsten Lauf…



Thomas Knackstedt 



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