N E U : 18. Juli 2018      


Das Mittwochtraining steht in Link oder Leben.


Auf der Startseite steht eine neue Geschichte.


Laufen trainiert in der Hitze.


In Link oder Leben gibt es einen Familientipp.


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Schreiben hat eine Geschichte für Euch.


Laufen berichtet über die richtige Belastung.


Der Lange Lauf steht in Link oder Leben.


      

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.      



 

30 Jahre 


Ich lege mir den Ball auf die Grundlinie des Spielfeldes. Von diesem Punkt aus sehen die beiden Pfosten des Tores wie einer aus. Sie stehen direkt hintereinander. Jetzt den Ball in das Tor zu schießen kann nicht jeder. Ich weiß, dass ich das einmal sehr gut konnte. Doch das ist 30 Jahre her. Neben mir stehen Ella und Lotta und schauen mich mit großen Augen an. Ich habe sie gefragt, ob man von hier aus ein Tor schießen kann. Beide schüttelten heftig ihre Köpfe. Okay, jetzt bin ich dran…

 

Ich suche das Programm, das ich damals so oft benutzt habe, wenn ein Ball vor meinen Füßen lag. Fußball war einmal einer der wichtigsten Bestandteil meines Lebens. Ich hätte mir damals ein Leben ohne Fußball nicht vorstellen  können. Ich war in diesem Sport erfolgreicher als in jedem anderen. Doch das ist lange vorbei. Heute habe ich nicht mal ein einziges Spiel der gerade laufenden Weltmeisterschaft gesehen. Es geht mir, gelinde gesagt, am Arsch vorbei. Der heutige Fußball unterscheidet sich für mich nicht mehr wesentlich vom heutigen Radsport und allen anderen Profisportarten. Heute ist das einzige Motivationsmittel im bezahlten Sport Geld. Dafür würde fast jeder Sportler über jede moralische Hürde springen; und die Berater der Profis sowieso. Fair Play, Ehre, Moral, Zusammenhalt, all das sind nicht mehr als leere Worthülsen, die auf Pressekonferenzen mantraartig heruntergebetet werden, um sich selbst einen Anstrich von Anstand zu geben. Doch nichts davon ist wahr. Vom Thema Doping will ich gar nicht erst anfangen.

 

Fußball spielen war für mich schon immer die schönste Art mit anderen zusammen ein Ziel zu erreichen. Die Kraft einer Mannschaft ist nicht zu unterschätzen. Sie kann zigfach größer sein als die Summe der Kräfte ihrer einzelnen Mitglieder. Ich durfte das mehr als einmal erleben. Es ist ein verdammt gutes Gefühl.

 

Mit dem Ball umzugehen ist wieder eine ganz andere Sache. Das hat etwas mit Freundschaft zu tun. Es ist ein bisschen wie mit einem Hund. Wenn du deine ganze Zeit mit deinem vierbeinigen Freund verbringst, wird er gut hören und alles machen, was du von ihm verlangst. Das sieht bei einem Ball genau so aus. Du brauchst in allererster Linie Zeit. Gefühl für den Ball zu bekommen, kann man lernen. Man muss üben. Immer und immer wieder. Ich habe das damals mit Inbrunst getan.

 

Jetzt versuche ich die Bewegungsmuster, die ich damals in meinem Kopf abgespeichert habe, wiederzufinden. Sie liegen irgendwo verstaubt, ganz weit hinten im Regal eines Raumes, den ich seit Jahrzehnten nicht betreten habe. Falls ich sie finde, bin ich ein gutes Stück weiter. Dann heißt es „nur“ noch die alten Muster auf einen alten Körper einzustellen. Sie werden vermutlich noch immer der Grundeinstellung eines 27jährigen angepasst sein. Das wird dann sicher nicht mehr funktionieren.  

 

Wobei der Start heute schon mal nicht schlecht war. Wir haben zusammen mit Ella und Lotta die polnische Delegation von Jugendfußballern besucht, die in Kaierde auf dem Sportplatz zelten. Unser Freund Roman ist als Dolmetscher dabei. Klar, dass wir da vorbeischauen mussten. Die Liebe meines Lebens hat mit Roman geredet, während Ella, Lotta und ich mit einem Fußball über den Sportplatz rannten. Ich will nicht lügen: Ich habe dieses Gefühl vermisst. Als ich den Ball mit dem Fuß in die Luft befördere und anschließend auf meinem Nacken landen lasse, ohne dass er herunterfällt, bin ich erstaunt, dass das noch klappt. Die Enkelkinder sind begeistert. Wir schießen den Ball ins Tor, rennen um die Wette und dribbeln ein bisschen. Das macht einen Heidenspaß.

 

Doch jetzt ist Schluss mit lustig. Jetzt kommt die Nummer mit dem Schuss von der Grundlinie. Früher gab es dabei eine Trefferquote von 50 Prozent. Schauen wir mal, was davon übrig geblieben ist. Ich habe den Bewegungsablauf in meinem Kopf gefunden und entstaubt. Von dieser Entfernung muss ich, wenn der Ball direkt ins Tor segeln soll, ihm einen scharfen Effet geben und ungefähr zwei Meter vor den Pfosten zielen. Wenn ich ihn vorher aufsetzen lasse, und dann der Boden den Effet verstärken soll, reicht es, den Fünfer anzuvisieren. Ella und Lotta starren mich erwartungsvoll an. Okay, entweder wird das die Blamage des Jahres oder ich bin der Größte.

 

Ich treffe den Ball rechts außen und gebe ihm den Drall, den er benötigt. Als er das erste Mal aufsetzt, macht sich Hoffnung in mir breit. Das sieht gut aus. Beim zweiten Auftippen bekommt er den Dreh, der ihn direkt ins Tor trudeln lässt. Ich bleibe wie angewurzelt, sprachlos stehen. Lotta und Ella schauen mich an, als sei ich ein Elefant mit zwei Rüsseln. Dann reiße ich die Arme hoch und die Kinder juchzen. Verdammt, wie geil war das denn!


 

Wir kicken noch eine halbe Stunde und ich habe tatsächlich ein paar Gefühle in mir produziert, die sich seit dreißig Jahren nicht mehr in meinem Körper breit gemacht haben. Der Fußballzirkus von heute ist nach wie vor verabscheuungswürdig für mich. Aber selbst spielen, das ist wie Magie. Ein Ball kann die wunderbarste Art und Weise präsentieren, die mit Sport zusammenhängt. Ich weiß auf jeden Fall wieder, was mich damals angetrieben hat. Das ich nebenbei für die Enkel, wenn auch nur für ein paar Sekunden, der Allergrößte war, ist ein schöner Beifang. Als wir zusammen vom Platz gehen und uns den Ball zuschießen denke ich: Wer weiß, vielleicht sollte ich wieder mit Fußballspielen anfangen. Ich bin erst 57 Jahre alt. Da geht noch was…



Thomas Knackstedt  

 


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