N E U : 22. September 2019      


Laufen hat Ergebnisse.


Auf der Startseite steht eine neuer Text.


Das Mittwochtraining steht in Link oder Leben.


Link oder Leben hat einen Buchtipp.


Laufen hat das Wochenende.


Link oder Leben schaut in den Mond.


Schreiben hat eine neue Geschichte.


In Laufen wird es tragisch.


     

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.      



 

Vorwärts in die Vergangenheit.

 

Ich habe Zeit. Jede Menge Zeit. Das ist etwas, was nur selten in meinem Leben vorkommt. Man hat mich aus dem Rennen genommen und ich muss abwarten, ob und wann ich wieder an den Start gehen kann. Ich bin nicht besonders gut darin zu warten. Aus diesem Grund muss ich etwas tun, um meinen Kopf freizubekommen. Was wäre dazu besser geeignet, als ein langer Spaziergang.

 

Das Wetter ist für einen Herbsttag fantastisch. Die Sonne scheint von einem blauen Himmel, es weht nur ein leichter Wind und die Temperaturen sind angenehm. Ich habe mir vorgenommen zwei bis drei Stunden in den Wald zu gehen. Nicht ziellos, sondern mit einem Plan. Ich will in meine eigene Vergangenheit. Fünfzig Jahre zurück; mindestens. Ich will nachschauen, ob es Plätze und Wege, an die ich mich aus meiner Kindheit erinnern kann, noch gibt. Ich hatte überall Verstecke und Spielplätze. Meistens tief verborgen in den Wäldern um unseren Ort herum.

 

Vor einem Jahr habe ich einen alten Pfad um den Steinberg herum erkundet. Das war einer meiner Lieblings-Abenteuerspielplätze. Ich war erstaunt, dass sich, bis auf mich, kaum etwas verändert hatte.

 

Bei meiner Expedition heute sieht das ganz anders aus. Das Leben ist Veränderung. Die Welt bewegt sich überall. Als ich die ersten Schritte in den Wald hinter der Kuhwiese setze, erkenne ich den alten Pfad nur noch schemenhaft. Überall liegen umgestürzte Bäume und Büsche haben die Sonnenplätze auf den Lichtungen überwuchert. Ich muss die Augen schließen und ganz tief in meinen Erinnerungen kramen, um die alte Route wiederzufinden. Sie ist noch immer da, als einen Weg kann man sie allerdings nicht mehr bezeichnen. Ich muss über umgestürzte Bäume klettern und mich durch dornige Brombeerbüsche kämpfen. Verrückt. Damals konnte ich hier in vollem Tempo entlang rennen. Das wird nie wieder so sein.

 

Als ich mich durchs Dickicht arbeite, werde ich beobachtet. Mein Blick fällt auf die Kuhwiese neben dem Wald. Früher haben wir dort die Rinder geärgert, heute schauen mich Pferde an, die genau mitbekommen haben, dass sich da jemand nähert. Ich halte kurz an und schieße ein Foto. Das Bild vor mir ist einfach nur schön anzusehen.



Zehn Minuten später will ich die Todesbahn hinaufgehen. Doch die gibt es nicht mehr. Ich weiß noch, dass es eine der größten Mutproben war, sich mit dem Schlitten dort hinunter zu stürzen. Es war gefährlich und mehr als einmal endete die Mutprobe mit einem kapitalen Sturz. Aber damals war und das egal. Wir liebten das Risiko. Heute würde ein Schlitten keinen Meter mehr die steile Rampe im Wald hinunterfahren. Junge Bäume haben den Weg in Beschlag genommen. Was bleibt sind lediglich Erinnerungen an atemberaubende Sturzfahrten.

 

Den Weg am Waldrand entlang mit dem Anstieg auf das Waldplateau gibt es noch. Hier hat sich nicht viel verändert. Ich schaue mich genau um und suche nach einer Spur aus dem Jahr 1983. Als die Liebe meines Lebens meinen Namen annahm, haben wir hier oben gestanden und ich habe unsere Initialen in einen jungen Baum geschnitzt. Ich brauche nicht lange suchen, bis ich finde, was ich suche. Der junge Baum ist groß geworden. Die scharfen Schnitte, die damals unsere Liebe bekundeten, sind in den Jahrzehnten zu einem weichgezeichneten Logo mutiert. Mein Herz schlägt ein wenig schneller, als ich meine Hand auf die Rinde des Baumes lege.



Ich suche den Weg zur alten Fabrik. Auch ihn finde ich. Er ist kaum noch zu sehen, aber ich kann ihn gehen. Ich finde eine neue Abzweigung und folge ihr. Hundert Meter weiter sehe ich, dass hier Kinder eine Crossbahn für Downhillfahrten angelegt haben. Nicht schlecht. Das ist neu für mich. Die Bahn ist total versteckt im Wald. Wer auch immer sie gebaut hat, hier muss er sie mit niemandem teilen. Als ich hinter der Fabrik aus dem Wald stolpere bin ich froh, dass ich mir meinen Weg durch den Wald gesucht habe.

 

Auf dem Rückweg suche ich die alte Müllkippe, die vor über vierzig Jahren verschüttet wurde. Sie lag direkt an der kleinen Straße zwischen zwei Orten. Heute wissen nur noch wenige Menschen, dass es sie gab. Das gesamte Gelände ist mit Buchen und Eichen bewachsen. Es führen keine Wege hinein oder hinaus. Doch das stört mich heute nicht. Ich suche mir meinen Weg zwischen den Bäumen hindurch und finde den kleinen Bach, der entlang der Landstraße fließt. Die Autos fahren nur zwanzig Meter entfernt an mir vorbei und doch trennen uns Welten. Die Straße liegt zehn Meter über mir und von dort oben kann mich niemand im dunklen, dichten Wald sehen. Ich gehe den Bach entlang und fühle mich wieder wie ein Kind. Wann hier wohl das letzte Mal ein Mensch gewesen ist? Ich bin so weit von der Zivilisation entfernt, als würde ich an den Ufern des Amazonas entlang marschieren.



Ich orientiere mich an den Erinnerungen aus meiner Kindheit. Die führen mich zielsicher aus dem kleinen Waldstück hinter ein Industriegebiet. Das gab es früher noch nicht. Wenn mich hier jemand sieht, wird er sich wundern, woher ich komme.

 

Der letzte Kilometer führt mich über offenes Land nach Hause. Die alte Zimmerei, auf der ich viele Tage meiner Kindheit verbrachte, ist heute nur noch ein Platz mit zwei Wohnhäusern. Nichts erinnert mehr an die Betriebsamkeit der Zimmerer. Wenn ich die Augen schließe, rieche ich noch immer das frisch gesägte Holz und sehe meinen Vater, der mit freiem Oberkörper, schwere Balken aus dem Lager schleppt. Diese Erinnerung schmerzt und freut mich zugleich. Ich gehe weiter.

 

Dann bin ich zu Hause. Als ich vor fünfzig Jahren an diesem Haus vorbeigegangen bin, hätte ich niemals gedacht, dass es einmal mein Zuhause wird. Jetzt würde ich es gegen nichts anders eintauschen. Die Zeiten ändern sich. Die Welt ändert sich. Nur die Vergangenheit, die bleibt wie sie war. Nichts und Niemand kann ihr etwas anhaben.


    

Thomas Knackstedt

 


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