N E U : 17. Oktober 2018      


Das Mittwochtraining steht in Link oder Leben.


Laufen hat die letzte Woche.


Link oder Leben zeigt, wie Training wirkt.


Laufen hat ein paar kleine Sorgen.


In Schreiben steht eine neue Geschichte.


Link oder Leben berichtet vom Gezeitenlauf.


Auf der Startseite steht ein wunderbarer Gastbeitrag.


Der letzte Dreißiger steht in Laufen.


      

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.      




Ich freue mich immer, wenn hier jemand etwas veröffentlicht, der mir nahe steht. Jetzt ist mein Freund Detlef dran, der sich im fortgeschrittenen Alter einen Herzenswunsch erfüllte. Darüber hat er eine wunderbare Geschichte geschrieben...



Mein Tandemsprung am 30. September 2018

 

Ein paar Tage vor dem Entdeckertag am 8. September 2018 in Hannover stöberte ich in der Ausstellerliste. Dabei entdeckte ich zufällig einen Eintrag, der mich neugierig machte. Es war der Fallschirmsportverein Hannover. Da wollte ich unbedingt mal hin und hören, was die so machen. Ein schlummernder, schon lang vorhandener Wunsch war der Sprung mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug.

 

Tatsächlich fanden wir den Stand und es entwickelte sich ein interessantes Gespräch über die Leidenschaft des Fallschirmspringens. Um überhaupt mal einen Sprung zu erleben, bietet sich der Tandemsprung an. Ein Tandemmaster nimmt den Passagier mit in das Flugzeug und beide springen, fest miteinander verbunden, nach unten. Der Sprungplatz des Vereins ist in Meißendorf bei Winsen/Aller. Das wollte ich nun unbedingt tun.

 

Nachdem Waltraud im Internet gestöbert hatte, erzählte sie mir von SkyDive in Hildesheim, einem Verein für Fallschirmspringer. Gerade fand die IAA Nutzfahrzeuge in Hannover statt. Ein Zeppelin war diesbezüglich zu Gast und auf dem Hildesheimer Flugplatz stationiert. Während einer Rückfahrt von Hannover sahen wir den Zeppelin über dem Messegelände. Offenbar steuerte er wieder Richtung Hildesheim, da es schon später Nachmittag war. Wir waren neugierig und fuhren direkt zum Flugplatz. Um die Landung gut beobachten zu können, war das offene Gelände von SkyDive bestens geeignet. Gleich notierten wir Öffnungszeiten und Webadresse von SkyDive. Hier haben wir den Sprung direkt vor der Haustür und brauchen nicht extra in die Heide fahren. Vielleicht geht es hier ja auch kurzfristig, so von heute auf morgen. Das Wetter ist dann besser vorherzusagen.

 

So war es auch am Samstag, den 29.9. Die Wettervorhersage klang für Sonntag vielversprechend. Und so rief ich bei SkyDive an, um für Sonntag einen Termin zu bekommen. Es klappte! Um 16 Uhr wird voraussichtlich der Sprung sein und eine Stunde vorher sollte ich mich vor Ort melden. Schön dachte ich und freute mich. Am Sonntagvormittag besuchten wir noch das Cyclo Cross Rennen in Bad Salzdetfurth. Anschließend Essen im Vapiano. Aufgeregt? Keine Spur. Irgendwie war ich die Ruhe selber und hatte das Gefühl, Waltraud war es, die nervös wurde.

 

Die Fahrt zum Flugplatz. Bei der Anmeldung gab mir die junge Frau zuerst einen Fragebogen und eine Verzichtserklärung zum Unterschreiben. Dann sagte sie mir, dass es Zeitprobleme gibt und die Startzeit sich um ca. 1.5 Stunden verzögert. Na ja, da ging bei mir das kurzzeitige Aufflackern von Anspannung wieder gegen Null. Wir haben es uns auf einem großen Sitzkissen auf der Wiese gemütlich gemacht. Inzwischen ist auch Florian eingetroffen, der die Zeit zuvor mit seiner Oma verbrachte. Essen im Brockenblick und Friedhofbesuch.


 

So gegen 17 Uhr war es dann endlich soweit. Ich wurde zur Vorbereitung aufgerufen. Mit mir wollte noch ein Pärchen aus Braunschweig springen. Vitali stellte sich mir vor und er bereitete den Sprung mit mir vor. Vitali kommt aus Wolfsburg und arbeitet bei VW. Das Fallschirmspringen macht er hobbymäßig schon seit fünf Jahren und hat über 1000 Sprünge absolviert. Vitali ist sehr nett und wir verstehen uns sofort. Erst einmal den Overall anziehen. Dann zeigt mir Vitali die Haltungen, die ich bei den verschiedenen Situationen einnehmen soll. Die sollte ich dann während der Wartezeit öfters wiederholen. Ich hatte zwar bei der Anmeldung Filmaufnahmen ausgeschlossen, Vitali hatte die Kamera aber trotzdem dabei. Das könnte ich doch nachher noch entscheiden, ob ich die Filmaufnahmen haben möchte, oder nicht. Na gut dachte ich und beließ es dabei. Er machte noch ein kleines „Interview“ mit mir mit laufender Kamera vor der Halle von SkyDive. Hinter uns das große Wandbild.

 

Dann war es soweit. Das für 14 Personen ausgelegte Flugzeug, eine Supervan 900 – mit Zusatz-Power, war wieder gelandet und wartete auf die nächste Gruppe Fallschirmspringer. Einzel- und Tandemspringer flogen gemeinsam. Die Tandemspringer mussten allerdings als erste in die Maschine, das sie hinter den Einzelspringern das Flugzeug verlassen. Die Gruppe stand schon bereit, aber Vitali hatte sich ein wenig zu viel Zeit für das Interview genommen. Etwas hektisch schnappte er sein Schirmpaket mit dem Haupt- und Reserveschirm. Das Paket schien doppelt so groß zu sein, wie die Schirme der Einzelspringer. Kein Wunder, der Fallschirm für den Tandemsprung ist größer und der Reserveschirm ist mehr als nur Reserve, er ist ein vollwertiger Fallschirm. Nun ging es zur Maschine. Wir als Tandemspringer vorweg mittels Trittleiter in das Flugzeug. Dann die anderen. Zwei Sitzbänke parallel längs der Flugrichtung nehmen die Passagiere auf, die dicht gedrängt hintereinander sitzen.


 

Die Supervan 900 startet und man spürt die Kraft des Motors. Stetig steigend erreichen wir die 4000 m Höhe in nur 10 Minuten. Mit einer normalen kleinen 4 Personen Maschine, wie wir sie so kennen, würde es ca. 20 Minuten dauern. Noch ist es relativ entspannt unter den Fahrgästen. Die Einzelspringer besprechen noch einmal ihre Figur, die sie fliegen wollen und die Tandemmaster reden beruhigend auf ihre Passagiere ein. Dann auf ca. 2500 m Höhe ist es Zeit, dass die Tandem Passagiere schon mal die Mützen aufzusetzen und die Brille checken, ob sie sitzt. Die Maschine fliegt sichtbar ihren kraftvollen Steigflug. Das spürt man gar nicht, sieht es aber am Horizont. 4000 m erreicht. Jetzt kommt Bewegung in die Maschine. Die Tür öffnet sich und schon bald stürzen sich die ersten Einzelspringer in den Abgrund. Die nächsten Minuten, die jetzt folgen, sind eigentlich unbeschreiblich. Vitali hinter mir rutscht schiebend mit mir auf der Bank Richtung Tür.

 

Ich spüre schon den kalten Wind, der durch die Kabine wirbelt. Jetzt haben wir die große Tür erreicht. Ich sehe die letzten Einzelspringer, wie sie in kürzester Zeit in der Tiefe verschwinden. In diesem Moment habe ich zum ersten Mal sehr deutlich vor Augen, was jetzt abgeht. Ich spüre, dass mein Puls sich mittlerweile auf einen höheren Takt eingestellt hat und für einen spürbaren Adrenalinstoß sorgt. Jetzt sitzen wir direkt in der Kante der offenen Tür, meine Beine baumeln mittlerweile draußen. Vitali ganz dicht hinter mir. Vor mir ist nichts als unendliche Weite und Tiefe. Der Wind zerrt schon an meinem Kopf. Vitali zählt mit den Fingern vor meinen Augen herunter, 3-2-1 und LOS! Genau dieser Moment, an dem der Fall beginnt, ist unbeschreiblich. Unter uns nur die große Tiefe und am Horizont die unendliche Weite lassen keinen klaren Gedanken zu. Es dauert einen Moment, bis ich den freien Fall bewusst wahrnehme. Ich spüre die Kälte, aber es gibt jetzt wichtigeres.

 

Bei einer Fallgeschwindigkeit von gut 200 km/h zerrt der Wind am Kopf und lässt die Haut wellenförmig über das Gesicht wabern. Aber das habe ich in dieser Phase nicht gespürt. Ich ertappe mich als eher introvertierter Mensch, dass ich auf einmal Laute der Begeisterung von mir gebe, die man sonst nicht von mir hört. Die Faszination in Verbindung mit ordentlichem Adrenalin ist in dieser Situation unglaublich.


 

Gedanke: Sollte sich der Fallschirm nicht öffnen und Vitali würde mir das nicht sagen, ich hätte es bis zum Aufprall wohl nicht bemerkt. Und wenn doch? Schöner kann man nicht sterben. Nach ca. 40-Sekunden zählt Vitali wieder mit seinen Fingern vor meinen Augen runter: 3-2-1 und - Leine gezogen. Mit einem Ruck öffnet sich der Fallschirm und die Fallgeschwindigkeit verringerte sich schlagartig auf Gleitgeschwindigkeit. Vitali gab mir die Anweisung, mich gegen seine Füße zu stemmen. Dadurch kam mein Körper gegenüber seinem etwas höher, so dass er das Geschirr lockern konnte. Es wirkte tatsächlich befreiend. Danach konnte ich die Schutzbrille nach oben schieben. Nun hatte ich klare Sicht auf das wunderschöne Panorama.

 

Der nun folgende Gleitflug war Genuss pur. Der Blick von oben, das ideale Wetter mit wolkenfreiem Himmel, die Sicht über die Hildesheimer Region war grandios. Und das nicht aus einer Flugzeugkabine, sondern unmittelbar und direkt vom Himmel. Dazu die Ruhe!



Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, kommt mir das Lied von Reinhard Mey in den Sinn: „Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein …“ Vitali gab mir ein Zeichen und dann die Steuerungsleinen. Ich sollte jetzt selbst den Fallschirm steuern. Rechts ziehen, Schirm dreht sich nach rechts, links nach links. Super! Mal rechts herum, mal links herum, er macht irren Spaß. Dann fragte mich Vitali, ob wir Achterbahn fahren wollen? Logisch! Er nahm die Leinen wieder in die Hand und zog ordentlich. Wir drehten spektakuläre Kurven, so dass der Schirm fast waagerecht in der Luft lag. Mir wurde schon fast schwindelig, aber ein Wahnsinns Gefühl. Dann glitten wir wieder ruhiger und ich verspürte den Wunsch, nein ich träumte, dass es noch viel länger so weitergehen könnte.

 

Mit einer klaren Ansage riss mich Vitali wieder aus meinem Traum: „Knie hoch und dann Beine nach vorn.“ Das war die Vorbereitung für die für mich viel zu frühe Landung. Über den Köpfen der bereits gelandeten Fallschirmspringer gleiten wir schräg nach unten Richtung Wiese. Wir landeten, wie bei einem Tandemsprung aus Sicherheitsgründen immer gelandet wird, auf dem Hintern. Perfekt gelandet! Vor Freude bedanke ich mich bei Vitali mit einer Umarmung. Ich wollte jetzt reden, nur noch reden, aber das Fahrzeug, das die Springer zurück zur Basis brachte, wartete schon und Vitali war mit seinem Fallschirm beschäftigt. Auf der Ladefläche saßen bereits die anderen Tandemmaster mit dem Pärchen. Auch sie waren nur am Quatschen. Das Bedürfnis, sich auszutauschen über das einmalige Erlebnis, über die Gefühle und die besonderen Momente war bei allen Passagieren groß.


 

Waltraud und Florian warteten bereits hinter dem Zaun, als wir das Geländer von SkyDive erreichten. Nachdem ich, wieder in der Halle, den Overall ausgezogen hatte und die restlichen Formalitäten erledigt waren, übergab mir Vitali meine Urkunde. Vitali war ein wirklich netter und guter Tandemmaster. Es hat mit ihm riesigen Spaß gemacht. Sollte ich wieder springen (eigentlich beschlossene Sache), dann wieder mit Vitali.


Nach einem herzlichen Abschied konnte ich endlich meinen Lieben Waltraud und Florian vom unglaublichen Sprung berichten.


   

Detlef

 


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