N E U : 30. November 2021      


Link oder Leben gibt einen Musiktipp von Herzen.


Laufen genießt einen perfekten Lauftag.


Link oder Leben sieht weiß.


Das Mittwochtraining steht in Laufen.


Die Startseite hat die komplette Marienburg-Homestroy.


Link oder Leben hat den Pressebericht zur Marienburg.


Laufen gibt den "Schnellabriss" für die Marienburg.


In Schreiben gibt es einen neuen Text.


     

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.      




Anfängerfehler für Fortgeschrittene.


06:45 Uhr. Der Radiowecker legt los. Der Tag scheint gut zu werden. Wenn auf NDR2 Panic at the Disco läuft, ist das ein Volltreffer; jedenfalls wenn man das Musikprogramm der letzten Jahre des Senders bedenkt. Ich habe gut geschlafen und die Liebe meines Lebens ist ebenfalls gut drauf. Wir steigen sofort in die Arbeitsteilung ein. Sie macht das Frühstück, ich den Hund.


Eine Stunde später sind wir durchgefüttert und Kathrin checkt die ersten Nachrichten auf ihrem Smartphone. Natascha hat dort schon den heutigen „Race Day“ beschworen. Vermutlich konnte sie die ganze Nacht nicht schlafen. Ich sehe dem Tag mit gemischten Gefühlen entgegen. Es gibt nicht viele Dinge im Leben die ich lieber mache als einen Marathon zu laufen. Doch der Marienburg Marathon, zu dem es uns heute hinzieht, ist so ähnlich geartet wie ein gutes Glas Laphroig: Man liebt oder hasst es. Die Strecke um die schönste Burg in Niedersachsen ist hart und herzlich zugleich. Schauen wir mal, wie das heute wird.



Wir holen Petra ab und schon wieder ploppt eine Nachricht im Smartphone auf. Jan hat seine kurze Hose vergessen. Er hat schon eine Ersatzhose von Messer bekommen, die ihm aber beim Anziehen „um die Ohren geflogen“ ist. So hechelt Petra noch einmal ins Haus und packt zwei kurze Hosen für unseren aufsteigenden Stern am Marathonhimmel ein.



Das Wetter macht sich. Erst war es nass und grau, jetzt wird es trocken, heller und mit 10 Grad Außentemperatur geradezu ideal für einen Marathonlauf. Als wir zum Veranstaltungsgelände kommen ist die Hölle los. Geregeltes Chaos würde ich das mal nennen. Trotz Corona jede Menge Menschen, aber alle mit Mund-Nase Bedeckung und Abstand. Das scheint zu funktionieren. Ich sehe meine Mitläuferinnen und Mitläufer. Die sind, wie eigentlich immer, bestens drauf. Es gibt ein paar Umarmungen, schlaue Sprüche, Lacher und diese ganz eigene Vorstart-Stimmung eines Marathonlaufs.



Die Schlange bei der Startnummernausgabe erscheint endlos, doch dann geht es ganz schnell. Wir haben Arkadi dabei und als er Anke sieht, die ihre kleine Leni an der Leine hat, ist der Tag für ihn gelaufen. Zwar ist die kleine Mischlingshündin nur so groß wie der Kopf des Schäferhund-Rüden, doch wenn man sich liebt spielt das keine Rolle. Während wir Läufer uns für den Start fertig machen, spielen die Hunde derart liebevoll miteinander, dass sie zu einer kleinen Attraktion der Zuschauer werden.



Dann geht es los. Ich schreibe meinen Youngstern noch einmal eindringlich ins Gebetbuch, nicht zu schnell loszulaufen. Diese Art von Anfängerfehler wird vom Trainer nicht gesehen. Wir klatschen uns noch einmal ab und dann geht es los.



Mario und Messer, die den Halbmarathon laufen, preschen vorweg, wir hinterher. Jan, in seiner todschicken kurzen Hose, ist ebenfalls schnell verschwunden. Ich laufe ein Stück mit Karsten und Jörn und lasse mich dann in mein eigenes Tempo etwas zurückfallen. Das Feld zieht sich wie ein Lindwurm zur Burg hinauf. Ich lasse es langsam angehen, hier entscheidet sich noch gar nichts. Irgendwo hinter mir sind Natascha und Annike. Dazu Kathrin, die als Startläuferin der Staffel agiert.



Das erste Mal den Burgberg hinauf ist kein Problem. Ich kenne die Strecke in und auswendig. Noch laufen hier die meisten. In der zweiten Runde gehen fast alle. Nach den ersten 21 Kilometern fühlt sich das für mich nach Kindergeburtstag an. Meine Beine sind gut, die Zeit stimmt und ich will mehr. Bis zur Burg überhole ich jede Menge Läufer. Wenn ich vorbeiziehe, denke ich: Ihr könnt es nicht so wirklich gut. Jetzt komme ich! Vor der Burg steht Sabine und feuert mich an. Ihre Begeisterung ist ansteckend. Diese Frau brennt fürs Laufen und kaum jemand kann das besser verstehen als ich.



So geht das bis Kilometer 32. Dann ist Schluss mit lustig. Meine Beine werden bleischwer und ich laufe nicht mehr, sondern schleppe mich, mehr oder weniger, Richtung Ziel. Fast alle Läufer, die ich zur Burg hinauf überholt habe, ziehen jetzt wieder an mir vorbei. Die werden allesamt denken: Der kann es nicht wirklich gut. Jetzt komme ich! Heute muss ich ihnen Recht geben.


Die letzten 10 Kilometer laufe ich nicht mehr mit den Beinen, sondern nur noch mit dem Kopf. Eigentlich sind das genau die Kilometer, auf denen ich noch Zeit gut mache. Da hole ich die Körner raus, die ich mir aufgespart habe und bringe mein Tempo bis ins Ziel durch. Heute nicht. Heute kommt die „Notfalltaktik“ zum Tragen. Das heißt bei mir, dass ich nur noch einen einzigen Gedanken in meinem Kopf zulasse: Jeder Schritt bringt dich dem Ziel näher. Egal wie langsam er auch ist.



Kurz vor dem Ziel komme ich dann noch in den Genuss zu spüren, dass sich ein Krampf in meinem Oberschenkel ankündigt. Genau das fehlt mir jetzt noch zu meinem Glück. Ich laufe noch einen Schritt langsamer und schaffe so krampflos ins Ziel zu kommen. Verdammt, wann bin ich bei einem Marathon das letzte Mal so eingegangen? Das ist Jahre her. Einerseits frustrierend, andererseits ist es genau diese Unberechenbarkeit, die als Fundament für meine „Marathonliebe“ fungiert.  3:51 Stunden war ich unterwegs Nicht gerade eine Meisterleistung.


Ich muss sofort in trockene Klamotten. Auf der Bank vor den Kabinen sitzen Jan und Karsten. Karsten hat Leni auf dem Arm. Meine beiden Mitläufer sehen wie „Braunbier und Spucke“ aus. So hätte meine Großmutter das jedenfalls gesagt. Wir klatschen uns kurz ab und merken im ersten Austausch, dass sich unsere Erlebnisse gleichen. Vorne hui und hinten pfui. Ist es mir wenigstens nicht allein so gegangen. Für Jan ist dieser Anfängerfehler entschuldbar, bei Karsten und mir ist es eher ein Anfängerfehler für Fortgeschrittene.



Beim Umziehen in einem Nebenraum der Halle brauche ich endlos lang, um mich aus den nass geschwitzten Klamotten zu pellen. Jede noch so kleine Bewegung bringt mich in absolute Krampfgefahr. So „angeschossen“ war ich das letzte Mal beim Ultramarathon am Rennsteig und das ist lange her.

Als ich endlich fertig bin und mich neben Karsten auf die Bank setze, kommt Thomas als Staffel-Schlussläufer ins Ziel. Gut sieht er aus. Allerdings nicht so gut wie Natascha und Annike, die kurze Zeit später die Ziellinie erreichen. Die beiden werden von ihren Fans aus der Familie ins Ziel begleitet und strahlen wie die Honigkuchenpferde. Im Ziel wird sofort auf Partystimmung umgeschaltet und die Belastung der 42,195 Kilometer scheint sofort von unseren Mädels abzufallen. Das gefällt mir.



Im Zielbereich tauschen wir jetzt noch unsere Erlebnisse aus. Bei jedem Marathon ist das einer der intensivsten Momente. Wir umarmen uns und sind allesamt glücklich, den heutigen Lauf ins Ziel gebracht zu haben. Ein schöner Abschluss nach einem ereignisreichen Laufjahr.


Dann geht es Richtung Heimat. Schließlich steht am Abend noch eine kleine Feier an. Ich fahre bei Arne und Thomas mit. Ich weiß, dass Thomas nicht gern hinten sitzt. Als ich allerdings versuche auf die hintere Sitzbank zu kommen, scheitere ich kläglich. Meine Beine wollen einfach nicht in den Wagen. Wenn ich das mit Gewalt versuche, bekomme ich ganz sicher einen Krampf. Also muss Thomas doch nach hinten. Tut mir leid. Vorn im Wagen kann ich die Beine ausstrecken und wir fahren schmerz- und klaglos nach Hause.


Abends sitzen wir im Blockhaus von Jans Eltern. Wie oft habe ich solche „Marathon-Nachfeiern“ schon erlebt? Ich weiß es nicht. Was ich weiß ist, dass sie der i-Punkt auf dem Lauferlebnis sind. Irgendwie gleichen sich die Inhalte, und doch sind es die unterschiedlichen Menschen, die aus jeder dieser Feiern etwas ganz Besonderes machen.



Wenn ich an die Gründung der Laufgruppe und den ersten Marathon 1998 denke, hätte ich damals nie gedacht, dass sich diese Gruppe so entwickeln würde. Heute sind wir durch die Mahlsteine der Zeit gegangen. Menschen, die uns am Anfang begleiteten sind nicht mehr da, andere sind hinzugestoßen. Der Gemeinschaft tat das bis heute keinen Abbruch. Ich sitze ziemlich still am Ende des Tisches und genieße das Reden, Rufen, Lachen und Zuhören am Tisch. Wir haben gut gegessen und sind jetzt dabei die Bier- und Weinvorräte zu dezimieren. Wir erzählen unsere Laufgeschichten und reden über Läufe, die wir noch absolvieren wollen. Ich höre ganz genau zu und schmunzele. Es dauert nicht mehr lange, dann wird Musik gespielt und, wenn es ganz schlecht läuft, zu Polonaise und Tanz aufgefordert. Jetzt, ganz genau jetzt, mache ich mich auf den Nachhauseweg. Ich werde jede Minute dieses Tages in meiner Erinnerung abspeichern und für schlechte Zeiten aufbewahren. Das war ein schöner Tag. Meine Arbeit als Trainer ist getan. Für die Abteilung „Party-Attacke“ haben wir extra geschultes Personal…




Thomas Knackstedt

 


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