N E U : 18. Juli 2019      


Schreiben präsentiert eine neue Geschichte.


Das Mittwochtraining steht in Laufen.


Link oder Leben berichtet über ein Missgeschick.


Laufen hat das Wochenende.


Link oder Leben hat einen Trainingstipp für Euch.


Die Startseite ist einem Freund gewidmet.


Link oder Leben hat ein besonderes Training.


Laufen berichtet über Gegensätze.


      

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.      



 

Der japanische Sohn.

 

Mit den Gefühlen ist das so eine Sache. Man kann sie nicht kontrollieren. Sie sind nicht logisch. Sie verkomplizieren oft alles. Sie können einen ohne Vorwarnung über den Haufen rennen oder dafür sorgen, dass Du dir eine blutige Nase holst. Obwohl Du sie nicht sehen kannst, sind sie da. Immer. Ganz tief in Dir verborgen oder klar und deutlich mitten in dein Gesicht geschrieben.

 

Es gibt Menschen, die kann man einfach „nicht riechen.“ In deren Nähe fühlst Du dich unwohl. Die engen Dich ein und nehmen Dir die Luft zum atmen. Die sind Dir unsympathisch und wenn Du auf einen Zettel schreiben solltest, wieso das so ist, würdest Du nicht ein einziges Wort aufs Papier bringen. Gefühle lassen sich nicht erklären. Die hat man und muss damit zurecht kommen. Manchmal kann einem der Verstand helfen, die Gefühle auf das richtige Maß zu stutzen. Aber Gefühle sind sehr oft viel stärker als der Verstand.

 

Als ich Seishiro das erste Mal sah, meldeten sich meine Gefühle. Ich fühlte mich wohl, ruhig und extrem zufrieden. Als ich ihn in meinen Armen hielt, fühlte sich das verdammt gut an. Sein Lachen wirkte ansteckend, seine gute Laune machte Lust auf sehr viel mehr. Der junge Mann war ein warmer, behaglicher, ruhender Pol. Einer, an dem man sich orientieren kann. Der einen nicht nervös macht, sondern für Entspannung sorgt. Ich liebe solche Menschen.

 

9000 Kilometer, die Sprache und zwei Kulturen, die unterschiedlicher nicht sein konnten, trennten uns. Das hört sich wie ein unüberwindbares Gebirge an, war aber im Endeffekt nicht mehr als ein paar Körner Sand, die das Schicksal mühelos zur Seite pustete. So war der Weg frei für unsere Freundschaft. Und da in meinem Leben Freundschaft gleich nach Liebe kommt, war das ein wunderbares Erlebnis.

 

Wenn man einen Menschen auf den ersten Blick sympathisch findet, kann es eigentlich nur schlechter werden. Mit Seishiro erging es mir genau andersherum. An jedem Tag fand ich eine Kleinigkeit in seinem Wesen, die ihn mir noch sympathischer machte. Er lernte unsere Sprache und das war ein regelrechter Quantensprung in unserer Beziehung. Ich stellte übrigens sehr schnell fest, dass Seishiros Persönlichkeit nicht nur meine Sympathien weckte. Egal wohin wir unseren japanischen Gast auch mitnahmen, man mochte ihn. Das gefiel mir außerordentlich. Ich weiß nicht, wie es mir mit 17 Jahren ergangen wäre, wenn ich so weit von zu Hause, in einem Land dessen Sprache ich erst erlernen muss, allein auf mich gestellt gewesen wäre. Seishiro imponierte mir mächtig. Da sah ich keine Zweifel, kein Heimweh, keine Angst. Lediglich die Freude zu Sehen, zu Hören und zu Lernen.

 

So verging ein Jahr, in dem wir uns leider nur einige Wochen sahen. Doch diese Tage reichten, um zu verstehen, dass da etwas war, das man nur schwer erklären konnte. Ein unsichtbares Band, das einen nicht festhält, sondern verbindet. Eine helle, gute Magie, die ganz sicher keine Wunder vollbringen kann, aber dafür sorgt, dass jeder Lichtstrahl auch auf Dinge fällt, die einem das Herz leicht machen. Ich habe diese Momente unsagbar geliebt. Minuten und Stunden, in denen Sorgen und Kummer keinen Platz in unserem Leben hatten. Tage, auf die man sich freute, wie das sonst nur Kinder mit Weihnachten hinbekommen.

 

Seishiro war ein Meister der Stille. Um heute in den Mittelpunkt zu kommen musst Du schreien wie ein Irrer, Dich wichtig machen, aufplustern und ohne Rücksicht auf Verluste alle Blicke auf dich ziehen. Wer am lautesten schreit, hat Recht. Das ist die Devise unserer Zeit. Darth Vader wäre in unserer Welt ein Held. Seishiro kam da eher wie Meister Yoda rüber. Unspektakulär, zurückhaltend, still und besonnen. Ich weiß allerdings, dass Yoda der mächtigste aller Yedis ist. Gegen ihn hat Vader keine Chance. Jedenfalls nicht in meiner Welt.


 

Wenn wir zusammen waren, floss das Leben wie ein großer, ruhiger Strom dahin. Zeit spielte keine Rolle. Wir liebten es, im Kreis der Familie  zu essen. Jede Minute davon war ein Gewinn. Ich muss an die Geschichte denken, die Seishiro uns erzählte. Wie er einmal richtig satt war, als er sechs Portionen Schnitzel mit Kartoffeln verdrückt hatte. Wir kriegten uns kaum ein vor lachen und hätten diese Story als pure Erfindung abgetan, hätten wir nicht um Seishiros wirklich einzigartigen Appetit gewusst.

 

Jetzt ist Seishiro wieder 9000 Kilometer entfernt. Sehr weit weg und im Geiste doch so nah. Wir werden ihn nicht vergessen. Egal, was passiert. Er war unser „japanischer Sohn“ und wird das auch bleiben. Wer weiß, vielleicht sehen wir uns wieder? Vielleicht auch nicht. Die Tage und Wochen die wir zusammen verbringen durften kann uns niemand nehmen. Das ist ein großer Trost, mit dem wir gut leben können.

 

Ich denke, genau jetzt in diesem Moment, dass Deutschland einen liebevollen, wunderbaren Menschen verliert. Japan gewinnt ihn zurück. So ist das Leben. Voller Freude und manchmal todtraurig. Aber es hält immer Überraschungen bereit. Darauf kann man sich verlassen. Wir werden uns schreiben. Einmal im Monat war versprochen! Ich werde daran denken. So, wie wir hier alle an Seishiro denken werden. Für Gedanken, Gefühle und Erinnerungen sind 9000 Kilometer nicht mehr als ein Katzensprung…

      

Thomas Knackstedt

 


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